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Kommentar: Märkte warten auf die Notenbanken

DÜSSELDORF. Die USA geben den Finanzmärkten erneut die Richtung vor. Dollar und Zinsen fallen in diesen Tagen fast parallel und lassen dabei ehemals schwer überwindbare Hürden fast mühelos hinter sich. Zwei Ereignisse sind für diesen noch jungen Trend an den Devisen- und Anleihemärkten entscheidend. Das erste war Ende November die Revision der Wachstumsdaten in den USA nach unten. Nunmehr gehen die Anleger zumindest von einer weichen Landung der US-Wirtschaft aus. Das zweite wichtige Datum setzte dann in dieser Woche der mächtige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan. Er bestätigte die Konjunktureinschätzung der Märkte und damit auch die Kursentwicklung der letzten Tage. Der Euro könnte davon nun weiter profitieren. Und die kurz-, mittel- und langfristigen Zinsen dürften weiter sinken.

Ohne dass die Notenbanken in den USA und in Euro-Land bisher an der Zinsschraube gedreht haben, ist somit festzuhalten: Die Märkte nehmen eine Senkung bereits vorweg. Dass die Kehrtwende von den Notenbanken nachvollzogen wird, zeichnet sich ab. Zur Begründung muss man nicht einmal Analysten und Volkswirte heranziehen, die dies für die USA und für Euro-Land immer häufiger voraussagen. Dafür sprechen die starken Veränderungen im Datenkranz, den die Notenbanken beobachten und der ihr Handeln letztlich bestimmt. Der Impuls für mögliche Veränderungen in der Geldpolitik geht ganz entscheidend von den USA aus. Wenn sich die Abschwächung der Konjunktur in den nächsten Wochen bestätigt, rückt die Zinswende in der US-Geldpolitik in greifbare Nähe. Denn Greenspan wird keine harte Landung der US-Konjunktur riskieren. Das signalisierte er den Finanzmärkten in dieser Woche ganz klar. Der gewiefte Taktiker lässt sich wie immer ein Hintertürchen offen. Wenn es in der US-Wirtschaft doch nicht ganz so schlimm kommt, kann er die nächste Zinssenkung einfach weiter hinauszögern. Wenn dagegen die Hinweise von Unternehmen und Verbrauchern noch negativer werden, steht einer Senkung der US-Zielsätze schon Anfang des Jahres nichts entgegen. Genau beobachten wird er insbesondere, ob sich die amerikanischen Börsen nun langsam erholen. In den USA wirkt sich die Entwicklung an den Aktienmärkten viel stärker auf die Konsumnachfrage aus als in Europa. Und Greenspan wird sicherlich ebenfalls nach Anzeichen für eine weitere Anspannung der Kreditmärkte in den USA suchen. Daraus erwachsen Gefahren gerade für noch junge Unternehmen, die derzeit akute Liquiditätssorgen plagen.

Die Währungshüter in Euro-Land befinden sich demgegenüber in einer eher abwartenden Haltung. Ihnen kommt entgegen, dass der Euro sich endlich wie gewünscht erholt und wohl das Schlimmste hinter sich haben dürfte. Wenn sich die US-Trends bestätigen, ist die Parität zum Dollar im nächsten Jahr kein unrealistisches Ziel mehr. Duisenberg und Co. freuen sich sicher auch über den Rückgang des Ölpreises. Zusammen mit dem Euro-Anstieg und einer geringfügigen Verlangsamung des Wachstumstempos in Euro-Land mindert dies die akuten Inflationssorgen. Wenngleich der Ölpreis sicher ein schwer einzuschätzendes Teuerungsrisiko bleiben wird - gerade in den kommenden Wintermonaten. Wahrscheinlich werden die Euro-Währungshüter - wie so oft in den letzten zwei Jahren - Greenspan den Vortritt lassen. Sie werden aber sicherlich nicht zögern, kurze Zeit später ebenfalls die Leitzinsen zu senken - wenn der Inflationsdruck nachlässt.

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