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Kommentar: Massiver Warnschuss gegen Arafat

Scharon fährt eine neue Taktik gegen die Palästinenser.

Für Ariel Scharon war Jassir Arafat schon lange der Hauptverantwortliche für die Attentate der Palästinenser gegen Israel. Die jüngste Anschlagsserie in Haifa und Jerusalem hat das Fass jetzt wohl überlaufen lassen. Für Scharon also folgerichtig, gab er an seine Streitkräfte die Order aus, zumindest einen Teil von Arafats Infrastruktur in Gaza zu zerstören. Bleibt der israelische Premier konsequent, dann müssten alsbald auch am Sitz der Autonomiebehörde in Ramallah die Raketen einschlagen.

Dies wäre dann freilich mehr als nur ein Warnschuss gegen den Palästinenserchef. Eine solche Militäroperation könnte in Jerusalem sogar schlicht als persönliche Bestrafung dafür ausgelegt werden, dass Arafat bei der Bekämpfung des Terrors trotz aller Bekundungen zu wenig Engagement zeige, Hamas und Dschihad fast nach Gutdünken gewähren lasse. Und damit könnte sich Israels Premier nach seiner eilig abgebrochenen Visite in Washington auch gegenüber US-Präsident George W. Bush rechtfertigen, zumal dessen neue Nahost-Initiative eher harmlos angelegt ist.

Auch wenn die Israelis vorerst nur Arafats Hubschrauber zerstörten, so haben sie ihn doch tiefer denn je in die Zwickmühle getrieben. Wie will er denn jetzt noch versuchen, die radikalen Palästinensergruppen auch nur verbal in die Schranken zu weisen? Als nun unmittelbar angegriffener Präsident würde er mit einem solchen Unterfangen zwangsläufig noch mehr an Glaubwürdigkeit einbüßen. Das Wort Verräter musste er von seinen Landsleuten schließlich schon öfter hören.

Nun ist es müßig zu fragen, inwieweit Scharon die Folgen seines Befehls richtig einkalkuliert hat. Sollte der Ex-General tatsächlich über den Tag hinausdenken, dann wohl nur in diese Richtung: Ohne Arafat entsteht in den Autonomiegebieten ein noch größeres Machtvakuum. Und damit ließe sich eine anhaltende Besetzung trefflich als notwendige Prävention begründen.

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