KOMMENTAR
Maul- und Klauenseuche - Wie war das mit Schengen?

Mit der Maul- und Klauenseuche ist sicherlich nicht zu spaßen - sie ist fraglos eine existenzielle und bitterernste Angelegenheit. Existenziell nicht nur für die betroffenen Bauern und Firmen, auch für die zuständigen Politiker. Insofern ist der Aktionismus mancher Politiker und Verbandsfunktionäre verständlich, wenn die angeordneten oder auch nur angeregten Maßnahmen doch etwas fragwürdig sind. Schließlich ist das politische Schicksal des letzten Landwirtschaftsministers noch in bester Erinnerung.

Zu den Fragwürdigkeiten der MKS-Hysterie sind wohl auch die Desinfektionen an den Grenzen zu zählen. An den Grenzen? Es überrascht irgendwie, dass es tatsächlich noch solche Grenzen gibt. Denn eigentlich hat man sich in der Zwischenzeit ja daran gewöhnt, in einem Europa ohne Grenzkontrollen zu leben. Zwei Dinge hat man den Europabürgern, ob sie es sein wollten oder nicht, immer wieder als Pluspunkte des neuen Europas verkauft: den Euro und den Wegfall der Grenzkontrollen.

Plötzlich haben wir also wieder Grenzen. Das heißt, ganz so plötzlich auch wieder nicht - schon des Öfteren haben die für unsere Sicherheit Verantwortlichen demonstriert, was sie im Grunde vom grenzkontrolllosen Europa wirklich halten. Bei Fußballspielen stauen sich ab und zu schon mal wieder die Kolonnen vor den alten Kontrollstellen, bei nationalen Maßnahmen gegen illegale Ausländer auch und jetzt eben auch bei Desinfektionen. Beim nächsten Mal werden wahrscheinlich auch die Anti-Castor-Demonstranten zurückgehalten. Schengen: im Prinzip ja, bei Bedarf nein?

Nichts gegen Desinfektionen - aber angesichts der Halbherzigkeit und der Lückenhaftigkeit, mit der sie offensichtlich vorgenommen werden, sind sie leider als fragwürdiger Aktionismus einzustufen. Oder hat man je gehört, dass in den USA zwischen den 51 Staaten Grenzkontrollen eingeführt wurden, weil in einem Bundesstaat eine Seuche ausgebrochen ist?

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