Kommentar
Microsoft reagiert nervös

Gerade erst hatte Microsoft mit der Bekanntgabe einer Sicherheitslücke in seinem Webserser-Programm IIS auf Windows 2000 die IT-Fachwelt verschreckt, da lässt es über seinen strategischen Vordenker Craig Mundie verkünden, das Lizenzmodell GPL der Open-Source gefährde die Zukunft der Software-Branche.

Es mag Zufall sein, dass der Software-Riese mit diesen scheinbar unabhängigen Themen an zwei Tagen hintereinander die Schlagzeilen füllte. Doch wer die Materie kennt, weiss, was das eine mit dem anderen zu tun hat, denn das schnelle Auffinden von Sicherheitslücken wird als eine besondere Stärke der Open-Source angesehen. Zwar hat Microsoft mit der Warnmeldung vom Donnerstag auch gleich einen Patch (ein Korrekturprogramm) mitgeliefert, aber von der Meldung bis zur Behebung des Fehlers sind immerhin einige Wochen vergangen, in denen eingeweihte Hacker Gelegenheit hatten, die Sicherheitslücke für sich auszubeuten und in fremde Computernetze einzudringen.

Während man in der Open-Source-Szene die Dinge gelassen sieht und darauf verweist, dass die GPL-Lizenz es niemandem verbietet, auf Systemen wie Linux eigene Programme zu entwickeln, mit denen man Geld verdient, ohne den Quellcode offen zu legen, wird Microsoft anscheinend nervös und weiß nicht recht, wie es mit dem Thema umgehen soll. Zunehmend sieht man sich durch den alten Rivalen IBM bedrängt, der mit offensivem Marketing auf Open-Source und Linux setzt. Hier begegnen sich zwei Erzfeinde wieder, die vor zwei Jahrzehnten schon einmal aufeinander geprallt waren. Damals zog IBM den Kürzeren, als die Gates-Company mit dem Erwerb der DOS-Lizenz Big Blue in einem klugen Schachzug die Eintrittskarte in den PC-Massenmarkt entriss, um diesen später mit dem neuen, auf DOS aufbauenden Desktop-Betriebssystem Windows vollends in Besitz zu nehmen. Heute werden die Karten neu gemischt, auf den Ausgang darf man gespannt sein.

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