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Kommentar: Ministerhilfe für den Dax

Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin will offenbar Versicherungen, ihren Kunden und Aktionären entgegen kommen. Den Assekuranzen soll bald erlaubt sein, die Aktienbestände zu einem höheren Wert als dem absoluten Tiefststand in die Bilanz zu nehmen. Damit werden Zwangsverkäufe und der Absturz des Deutschen Aktienindex (Dax) vermieden.

Bislang sind die Versicherungen, die nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren, dazu verpflichtet, den niedrigsten Wert eines Wertpapiers auszuweisen. Nach den Kursrückschlägen an den Börsen würde diese Regel zu hohen Abschreibungen führen. Der aktuelle Marktwert der Aktienbestände der Versicherer hat sich zum Teil dramatisch reduziert.

Durch die notwendigen Wertberichtigungen würden die Gewinne der Versicherungen gedrückt. Das wiederum hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Versicherten. Besitzer von Lebensversicherungs-Verträgen beispielsweise müssten mit einer geringeren Auszahlungssumme rechnen. Die Überschussbeteiligung, die bei langlaufenden Verträgen einen wesentlichen Teil der Zahlung ausmacht, müsste deutlich gekürzt werden.

Doch auch die Aktionäre würden leiden. Denn die Abschreibungen können die Versicherer nur steuerlich nutzen, wenn sie tatsächlich realisiert werden. Das bedeutet , die Aktien müssen zu niedrigeren Kursen verkauft werden.

Da die Versicherer zusammen ungefähr ein Drittel aller deutschen Aktien besitzen, würde eine solche Verkaufsaktion den Dax und den M-Dax massiv unter Druck setzen. Nicht nur die Versicherungsaktien würden fallen, sondern alle anderen Titel würden mit in die Tiefe gerissen. Das hat wohl auch die Justizministerin eingesehen.

Sie überlegt, den Versicherungen die gleichen Rechte wie den Banken einzuräumen. Die Assekuranzen dürfen dann in Zukunft die Aktien zum nachhaltigen Wert in die Bilanz nehmen. Der nachhaltige Wert orientiert sich an der längerfristigen Entwicklung und nicht am Tiefstkurs. Wenn die Experten des Ministeriums keine Einwände erheben, soll die Regelung schon für den Jahresabschluss 2001 gelten.

Die Neuregelung ist sinnvoll. Zum einen nähern sich Banken und Versicherungen in ihren Geschäftsfeldern immer mehr an. Außerdem ist das Niederstwertprinzip eine deutsche Erfindung. Es ist aus der Überbetonung des Gläubigerschutzes entstanden. In internationalen Bilanzvorschriften, die vor allem den Aktionär im Blick haben, gibt es eine solche Regelung nicht. Da immer mehr Versicherungen auf IAS oder GAAP umstellen, wird das Niederstwertprinzip eh an Bedeutung verlieren. Deshalb ist es gut, wenn die Justizministerin ein Einsehen hat.

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