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Kommentar: Na, wie waren wir beiden?

Das zweite TV-Duell der Kanzlerkandidaten ist beendet, die Scheinwerfer sind erloschen, Deutschland kann wieder ruhiger schlafen. Kanzler Schröder wird nach diesem tösenden Medienereignis wieder seine obligatorische Frage an seine Gattin gestellt haben („Wie war ich, Doris?“).

DÜSSELDORF. Das zweite TV-Duell der Kanzlerkandidaten ist beendet, die Scheinwerfer sind erloschen, Deutschland kann wieder ruhiger schlafen. Kanzler Schröder wird nach diesem tösenden Medienereignis wieder seine obligatorische Frage an seine Gattin gestellt haben: "Wie war ich, Doris?"

Und sein Herausforderer aus Bayern wird nach der Sendung zunächst seine Krawatte zurechtgerückt, nervös den ordnungsgemäßen Sitz seines Eherings geprüft und auf den Satz seiner Berater "Großartig, Herr Dr. Stoiber" gewartet haben.

Am Montag werden die Genossen Schröder bei den Gremiensitzungen mit einem enthusiastisch-hemdsärmeligen "Super, Gerd!" begrüßen, während es die Unionsrecken dabei belassen werden, ihrem Kandidaten respektvoll die Hand zum Dank zu reichen. Der Angstschweiß ist verdunstet, die Duellanten haben sich gut geschlagen, die Parteien sind zufrieden.

Und was haben die Wähler mitgenommen? Sie haben erneut registrieren können, dass Kanzler Schröder seine Rolle als Staatsmann voll in die Waagschale geworfen hat und damit durchaus Punkte sammeln konnte. Ihm fehlen nur noch die grauen Haare zum Elder Statesman.

Sie haben ebenfalls mitnehmen können, dass die SPD trotz vier Millionen Arbeitslosen und steigender Sozialbeiträge stolz auf die geleistete Regierungsarbeit ist. Und Stoiber? Der hat klar gemacht, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, und er kündigte einen Reformprozess an, aber einen, bei dem die Handbremse angezogen bleibt.

Fazit: Die Bundesrepublik hat erneut einen unterhaltsamen Fernsehabend erlebt, bei dem zwei Herren in dunklen Anzügen, beide in einem Alter, in dem andere in den Vorruhestand gehen, sich redlich Mühe gaben, gut auszusehen. Also: Es lief alles so wie beim ersten TV-Duell. Nein: Die Moderatorinnen stellten die spritzigeren Fragen, sie sahen einfach besser aus. Was sich daraus für den Wahlausgang ableiten lässt, werden die nächsten Umfragen zeigen.

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