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Kommentar: Napster muss sterben

HB New York. Der Fall "Napster" sorgt fast jeden Tag für neue Schlagzeilen. Vor den Augen der Öffentlichkeit kämpfen Vertreter der Old und der New Economy eine Entscheidungsschlacht um das Überleben ihres jeweiligen Geschäftmodells. Und gerade, weil alle Welt zuschaut, gibt es für die Musikindustrie kein Pardon: Napster muss sterben.

Da nützt weder das öffentliche Flehen um Gnade von Bertelsmann Chef Thomas Middelhoff noch ein Angebot über 1 Milliarde Dollar. Das Angebot von Napster sei unzureichend und mache keinen Sinn. Wir werden erst verhandeln, wenn der Dienst eingestellt ist, kommentierten am Mittwoch übereinstimmend Vertreter von AOL Time Warner und des Verbandes der US-Musikindustrie (Recording Industrie Association of America, RIAA).

Ein Exempel muss statuiert werden. Der Musikindustrie fehlt es an Ideen für das Internetzeitalter. Stattdessen versucht sie an dem überkommenen System des Musikvertriebs festzuhalten. Dabei klingt der Bertelsmann-Napster-Vorschlag wie ein Verrat an den alten Napster-Idealen.

Peer-to-peer, von Freund zu Freund wurden einst bei Napster die Musikdateien getauscht. Jeder stellte seine Dateien und seinen Rechner allen anderen zur Verfügung. Unter Bertelsmann soll daraus eine "Promotionmaschine der Musikindustrie" werden. Wesentliche Elemente des stationären Musikvertriebs sollen auf das Internet übertragen werden. Die Interessen der Nutzer werden nicht berücksichtigt. Zwar haben sich in Umfragen viele bereit erklärt, auch Gebühren zahlen zu wollen, doch nicht unter den am Dienstag veröffentlichten Bedingungen.

So soll die Qualität der Musikdateien eingeschränkt werden um den Datenträger CD am Leben zu erhalten. Ausserdem können die auf den PC heruntergeladenen Stücke nur auf bestimmte lizensierte mobile Abspielgeräte übertragen werden.

Die Napster Fans fassen sich an den Kopf, für sie gibt es noch immer ausreichend Alternativen im Internet. Das wissen natürlich auch die Plattenbosse, und deshalb muss Napster sterben, denn ist der Dienst erst eingestellt, geht es auch den anderen Musiktauschbörsen an den Kragen.

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