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Kommentar: Neue Köpfe reichen nicht

Die WestLB braucht schnell ein tragfähiges Zukunftskonzept – ein paar neue Gesichter im Vorstand oder gar ein neuer Chef reichen nicht aus.

Die WestLB braucht schnell ein tragfähiges Zukunftskonzept - ein paar neue Gesichter im Vorstand oder gar ein neuer Chef reichen nicht aus. Sicher, nach dem Bericht der Finanzaufseher muss es wohl auch personelle Konsequenzen geben. Schließlich war die Risikokontrolle der fünftgrößten deutschen Bank im Falle Box Clever löchrig wie ein Schweizer Käse. So konnte die Londoner Starbankerin der WestLB, Robin Saunders, ziemlich frei schalten und walten. Die verantwortlichen Vorstände ließen sich gar von Saunders unter Druck setzen. Vielleicht nickten Sengera & Co. deshalb den Großkredit für die Fernsehverleihfirma Box Clever zu schnell ab.

Sie haben dies sicher bitter bereut - nicht nur wegen der plötzlich um 430 Millionen Euro höheren Wertberichtigung und der Sonderprüfung durch die Aufsicht. Viel schlimmer ist das zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und einer Reihe von Eigentümern. Vorbei sind die Tage, als Jürgen Sengera die Vision von der neuen, unpolitischen Bank verkörperte, die als internationale Großkundenbank den Konkurrenzkampf ab Mitte 2005 auch ohne die dann auslaufenden Staatsgarantien bewältigen sollte. Doch Kredite an Enron, Worldcom und zuletzt Box Clever säten Zweifel an der Professionalität der Bank.

Diese Zweifel bekräftigt der Bericht der Aufsicht. Plötzlich stehen nicht mehr die unbestrittenen Erfolge von Sengera - wie drastische Kostensenkungen - im Fokus, sondern die Risiken des WestLB-Geschäftsmodells. Seitdem herrscht Zwietracht unter den Eigentümern der Bank: Nun wollen die Sparkassen die WestLB auf einen Sparkassendienstleister stutzen. Den Großteil der internationalen Geschäfte der WestLB verstehen und brauchen die Sparkassenchefs nach eigener Ansicht ohnehin nicht.

Wird ihre Vorstellung wahr, dann sänken Größe und Wert der Bank drastisch. Dies wiederum kann dem NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück nicht recht sein: Denn je wertvoller die Bank, desto besser wird das Land seine Anteile veräußern können. Zudem wäre mit einer gestutzten Bank ein drastischer Stellenabbau bei der WestLB verbunden, was Steinbrück ebenfalls verhindern möchte.

Je länger dieser Konflikt schwärt, desto düsterer werden die Perspektiven der Bank - mit oder ohne Sengera.

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