Kommentar
Neuer Terrorverdacht

Die Ursache der Explosion der russischen Tupolew über dem Schwarzen Meer ist nun wieder völlig unklar - und wird es womöglich vorerst auch bleiben.

Die Ursache der Explosion der russischen Tupolew über dem Schwarzen Meer ist nun wieder völlig unklar - und wird es womöglich vorerst auch bleiben. Damit erhöht das Unglück die allgemeine Unsicherheit, die sich seit den Terroranschläge in New York und Washington weltweit breit macht. Denn ein terroristischer Hintergrund ist nicht auszuschließen. Bestätigt sich dieser Verdacht, der in Moskau, Washington und Tel Aviv gehegt wird, wären die Implikationen verheerend.

Glaubwürdig widerlegt scheint die These, dass ukrainische Militärs das Flugzeug während eines Manövers versehentlich abschossen. Denn die Maschine befand sich weit außerhalb der Boden-Luft-Raketen, mit denen die Ukrainer auf der Krim Krieg spielt.

Möglich ist daher, dass es sich um einen neuen Anschlag der Terroristen aus dem extremistischen islamischen Umfeld von Osama bin Laden handelt, der für die Angriffe auf Amerika verantwortlich gemacht wird. Dafür spricht, dass das russische Flugzeug aus Tel Aviv kam und die Opfer vor allem Israelis waren. Damit hätten die Islamisten zugleich den Erzfeind Israel und Russland getroffen, das sich in den letzten Wochen eindeutig auf Seiten der Anti-Terror-Allianz der Amerikaner gestellt hat. Dennoch scheint diese Theorie sehr unwahrscheinlich, denn erstens wäre dann eine sehr kurzfristige Planung sowie eine Ausrüstung mit weitreichenden Boden-Luft-Raketen notwendig. Beide Voraussetzungen wurden der bin Laden-Netzwerk bislang nicht zugeschrieben.

Wahrscheinlicher ist, dass der Abschlag, falls es denn einer war, von extremistischen palästinensischen Kräften ausging, die das Flugzeug vor dem Start in Tel Aviv präparierten. Aber auch diese Variante wäre kaum leichter zu ertragen als die bin Laden-These. Denn damit hätte auch der Nahost-Konflikt eine völlig neue, die Sicherheit weltweit gefährdende Dimension erreicht.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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