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Kommentar: Normalität ist die Krise

"Normalität in dieser Branche ist die Krise", sagt der scheidende Lufthansa-Chef Jürgen Weber. Nette Worte zur Amtsübergabe hören sich anders an, doch woher soll der traditionell hochdefizitäre Industriezweig der Fluggesellschaften die große Zuversicht auch nehmen? Krieg, Terror, SARS und die weltweite Sparwelle in den Unternehmen werden das Geschehen über den Wolken auf absehbare Zeit bestimmen.

Trotz kleiner Hoffnungsschimmer - etwa dass der Höhepunkt der SARS-Epidemie in Asien wohl überschritten ist - muss die Branche immer wieder mit Rückschlägen rechnen: Ein Bombenfund hier, eine Sicherheitslücke dort - die Nachrichten über die unruhige politische Lage reißen nicht ab.

Der Boom der Billigfluggesellschaften stachelt eine neue, hoffentlich ungetrübte Reisewelle hierzulande zwar an. Doch in diesem Konzert kann die Lufthansa nur bedingt - über ihre Beteiligung Eurowings - mitspielen. Die Kranich-Linie tritt zwar Flugstrecken zusehends an die günstiger operierende Eurowings-Tochter Germanwings ab. Doch im Ergebnis heißt das nur: Der große, service-orientierte Lufthansa-Konzern hat ein Riesenproblem damit, einen profitablen Flugverkehr innerhalb Europas aufrecht zu erhalten.

Der von Ryanair & Co. angezettelte Preiskrieg schadet dem Konzern stärker, als er öffentlich zugeben mag. Dieses Problem anzugehen, wird Mayrhubers wichtigste Aufgabe als neuer Lufthansa-Chef sein. Dabei dürfte dem smarten Österreicher sein diplomatisches Geschick zugute kommen. Sollte der Billigtrend anhalten, wird Mayrhuber immer mehr Kurstreckenverkehr auf günstiger operierende Partner auslagern müssen. Er wird deshalb öfter mit dem eigenen Betriebsrat verhandeln müssen als mit Flugzeugbauern und Zulieferern.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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