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Kommentar: Ron Sommer in Erklärungsnot

Telekom

-Chef Ron Sommer ist krisenerprobt - eine Erfahrung, die ihm nun nutzen dürfte. Einst hatte der Vorzeige-Manager als Chef von Sony Deutschland den japanischen Konzern zum deutschen Marktführer in der Unterhaltungselektronik gemacht. Dann folgte das Geschäftsjahr 1993/94 mit deutlichen Verlusten. Davon ist die Deutsche Telekom, deren Geschicke der studierte Mathematiker seit 1995 lenkt, weit entfernt. Aber den Konzernüberschuss des Vorjahres konnte die Telekom im ersten Halbjahr nicht erreichen.

Das ist keine gute Nachricht für die Aktionäre - aber schlechte Nachrichten sind die ja gewohnt. Seit Einbruch der Technologiewerte im Frühjahr hat sich die T-Aktie nicht erholt. Die Einführung der Volksaktie kann der Telekom-Manager noch als Erfolg verbuchen - jener Überflieger, der bereits mit 21 Jahren promoviert war und den Heinz Nixdorf seinerzeit als junges Nachwuchstalent in seine Paderborner Firmenzentrale geholt hatte. Nicht zuletzt die Werbekampagne für das Telekom-Papier hat dem Aktienmarkt in Deutschland zum Boom verholfen, umso schmerzlicher ist der schlechte Kurs von heute. Das Papier hat in wenigen Monaten 60 % an Wert verloren.

Ein Aufwärtstrend ist nicht in Sicht. Da mochte Sommer heute in Bonn den Aufschwung noch so energisch beschwören. Bislang rettete sich Sommer mit der vollmundigen Ankündigung, die Deutsche Telekom werde bald ein Global Player sein. Doch davon ist Sommer nach wie vor weit entfernt. Noch nicht einmal in Europa konnte er bislang große Allianzen schmieden. Aus dem früheren Partner France Telecom, mit dem Sommer 1996 gemeinsam das Unternehmen Global One startete, ist mittlerweile ein erbitterter Gegner geworden. Die France Telecom stieg bei Mobilcom ein und macht seinem früheren Partner seitdem das Leben schwer - zuletzt bei der UMTS-Versteigerung. In Italien steht Sommer ohne Partner da und wird an der UMTS-Versteigerung nicht teilnehmen.

Nur noch wenige trauen Sommer zu, aus der Telekom einen Global Player machen zu können. Seine Aktionäre hat der Vorzeige-Manager ohnehin längst enttäuscht. In den USA hätte er für den Kursrutsch der T-Aktie wahrscheinlich längst seinen Hut nehmen müssen. Aber geholfen wäre damit zurzeit wohl Niemandem. Der Rücktritt von T-Online-Chef Wolfgang Keuntje hat ohnehin schon für genug Unruhe gesorgt.

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