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Kommentar: Rot-rotes Menetekel für Schröder

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering hat ein Problem: Das Scheitern der Ampelkoalition in Berlin bringt seine Wahlkampfplanunen gehörig durcheinander

Der General reagierte äußerst schmallippig: "Das geht eben nur, wenn es geht", lautete die luzide Diagnose des SPD-Vorkämpfers Franz Müntefering zum Scheitern der Ampel in Berlin. Die Einsilbigkeit verwundert nicht: Dem Chefstrategen aus dem Willy-Brandt-Haus wird die Planung für die Bundestagswahl 2002 gehörig durcheinander gemurkst. Auf einmal ist es nämlich da: das Menetekel der rot-rot regierten Hauptstadt. Und Bundeskanzler Gerhard Schröder hat damit neben der wirtschaftspolitischen Fehlbilanz bei Arbeitsmarkt, Sozialbeiträgen und wohl auch Haushaltskonsolidierung noch eine weitere dicke politische Hypothek: Die SPD tut es mit der PDS nicht nur irgendwo im mecklenburgischen Sand, sondern im Machtzentrum Deutschlands. Die Wähler werden sich fragen: "Wenn es geht" mit der PDS in der Hauptstadt - warum dann nicht auch auf Bundesebene?

Anders als in Schwerin wird ganz Deutschland diesmal darauf sehen, was da in Berlin beim rot-roten Wettlauf empor zur sozialistischen Sonne herauskommt. Die muffigen Ideen der Alt-Linken aus Mauer-Zeiten werden mit der reinen Lehre der übrig gebliebenen SED-Größen, derer sich die Berliner PDS besonders vieler in ihren Reihen rühmen darf, eine dunkelrote Kombination von vorgestern eingehen. Bei der Steuer für die verhassten Motorboote der Reichen auf dem Wannsee wird da nicht Halt gemacht. Was stattfinden wird, ist ein von Gregor Gysi gesteuertes ideologisches Umverteilungsexperiment, das die noch vorhandene Wirtschaft in Berlin das Grausen lehren dürfte.

Schröder wird durch diesen gegen die Unternehmen gerichteten Feldversuch vor der Tür des Kanzleramtes eine weitere offene Flanke beschert. Die Büchse der Pandora ist schon halb auf: Der SPD-Vorsitzende wird im Wahlkampf noch oft erklären müssen, warum die SPD im Bund aber ganz bestimmt nicht tun wird, was sie im Roten Rathaus praktiziert. Ja, das sind Vorlagen für die Union! Wer sie wohl nutzen wird?

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