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Kommentar: Schock, Horror, alles erlaubt?

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur umstrittenen Benetton-Werbung hat wenige Stunden nach der Veröffentlichung bereits ein lebhaftes Echo gefunden. Richtig interessant sind die Botschaften zwischen den Zeilen. So stilisiert sich das Magazin "Stern" zum Kämpfer für eine realistische Weltsicht, in der Gewalt und Elend nicht fehlen dürfen. Der Branchenverband Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) folgt dieser Logik nicht. Kein Wunder: Die Werbebranche erhofft sich Munition für den Kampf gegen Werbeverbote. Motive, die geeignet sind, Empörung oder Ekel hervorzurufen, sind da eher hinderlich.

Der bedeutsame Sieg für die Presse- und Meinungsfreiheit hat für das Unternehmen, das die Schockwerbung einst zu verantworten hatte, kaum noch Bedeutung. Benetton hat seinem Starfotograf Oliviero Toscani längst den Laufpass gegeben. Werbung will eben meist nicht aufklären oder schockieren, sondern verkaufen. Das werden wohl auch die Internetunternehmen bald beherzigen.

Großer Gewinner ist die Medienbranche. Der Anzeigenteil, auch bisher schon rechtlich geschützt, ist durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts spürbar aufgewertet worden. Begehrlichkeiten, die Werbung für bestimmte Produktgruppen wie Genuss - und Rauschmittel einzugrenzen, können die Verleger nun mit einer Parole entgegentreten, die kaum ein Werbetexter besser hätte ersinnen können, die aber von Karlsruher Verfassungsrichtern stammt.

Die schrieben, auf das "vom Elend der Welt unbeschwerte Gemüt der Bürger", könne nicht immer Rücksicht genommen werden. Anders als die Benetton-Werbung hat der Slogan das Zeug zum Klassiker.

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