Kommentar
Sicher ist unsicher

Seit drei Wochen fliegen amerikanische Kampfjets Einsätze über Afghanistan. Man bekommt den Eindruck, das nicht alles so läuft, wie es sich die Amerikaner vorstellen. Unsicherheit macht sich breit. Zudem nimmt die Angst vor dem Bioterror zu. Täglich kommen neue Anthrax-Verdachtsfälle hinzu.

Die USA haben schon wenige Tage nach Beginn der Militäraktion in Afghanistan versichert, dass die Luftabwehr der Taliban außer Kraft gesetzt worden sei. Fast drei Wochen nach Beginn der Militärschläge zeigt der arabische Sender Al-Dschasira - zugegeben von der Taliban-Regierung zensiert -, dass Luftabwehrfeuer den Kampfjets der Allianz hinterherjagt. Die US-Regierung kann das Gegenteil des Gezeigten nicht behaupten.

Die Militärschläge sollten dafür sorgen, dass die Terrornester um Kabul, Kandahar und Herat ausgehoben werden und der Topterrorist Osama bin Laden dingfest gemacht wird. Doch plötzlich zeigt sich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verunsichert. Die Welt sei groß und biete bin Laden ausreichend Unterschlupfmöglichkeiten. Er glaube nicht mehr daran, den arabischen Multimillionär aufzuspüren. Wenige Stunden später rudert Rumsfeld zurück: "Natürlich finden wir ihn."

US-Militärs sind überrascht, ob der Zähigkeit der Afghanen. Noch vor dem Einsatz militärischer Mittel warnte der neue Freund Russland: Militärisch ist dem Vielvölkerstaat am Hindukusch nur schwer beizukommen. Niemand kann da aus schmerzlicherer Erfahrung berichten als die Russen. Sich nun vor die Weltöffentlichkeit zu stellen, und sich über das Durchhaltevermögen der islamischen Kämpfer zu wundern, wirkt arrogant und peinlich.

Mit jedem Tag, an dem die Militärschläge eine Fortsetzung finden, wird auch die Kritik in der Anti-Terror-Allianz lauter. Die islamischen Staaten fordern ein baldiges Ende der Militärschläge. Auch bei den Verbündeten der Amerikaner gibt es nicht nur "uneingeschränkte Solidarität", wie es der Kanzler immer und immer wieder beteuert. Im Inneren macht der Bioterror den Amerikanern zu schaffen.

Nichts fühlt man dieser Tage so sicher wie die Verunsicherung der Großmacht USA.

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