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Kommentar: Stunde der Wahrheit bei Versicherern

Die Börse hatte ihre Stunde der Wahrheit schon längst. In Berlin findet sie gerade mit großem politischem Getöse statt. Die Lebensversicherer haben sie auch schon - aber erst gestern wurde sie gleichsam offiziell eingeläutet. Und das Spannende ist: Diese drei Offenbarungen hängen alle miteinander zusammen.

Die Allianz hat gestern die Überschussbeteiligung ihrer Lebensversicherungen auf 5,3 Prozent gesenkt - sogar noch deutlicher, als die meisten Experten vermutet hatten. Und weil die deutsche Versicherungswirtschaft trotz aller Liberalisierung immer noch eine gut geordnete Branche ist, werden die Konkurrenten dem Marktführer rasch folgen, soweit sie nicht vorauseilend ihre Sätze schon kurz vor der Allianz gesenkt haben. Damit wird quasi amtlich, was seit Monaten an den Aktienkursen der Branche abzulesen ist: Die Lebensversicherer können auch nicht zaubern, sondern sind wie jeder andere von den Kapitalmärkten abhängig und von der Börsenschwäche geschädigt.

Mit 5,3 % bietet die Allianz immer noch deutlich mehr, als zurzeit zehnjährige Staatsanleihen bringen. Weil dieser Prozentsatz aber nur auf das Sparguthaben gezahlt wird, von dem zuvor erhebliche Kosten abgezweigt werden, existiert der Vorteil nur scheinbar. Damit ist der Lack ab von Deutschlands beliebtestem Vorsorgeprodukt.

Oder doch nicht? Wenn es weiterhin noch Rückenwind für die Lebensversicherung geben sollte, dann weht er aus Berlin. Dort werden gerade höhere Steuern für Anleger beschlossen, wobei die Fondsbranche, der ärgste Konkurrent der Lebensversicherer, völlig ins Abseits gedrängt wird, wenn ihr nicht noch eine Nachbesserung der heutigen Pläne gelingt. Die Lebensversicherer sind bisher außen vor bei diesem Chaos. Zwar rechnet die Branche schon damit, dass es sie im kommenden Jahr auch noch erwischt. Aber wer darauf wettet, dass sie am Ende doch relativ gut dasteht, hat gute Gewinnchancen. Die Versicherer haben in aller Stille die bisher wohl erfolgreichste Lobbyarbeit der deutschen Wirtschaftsgeschichte betrieben - im Endeffekt sind alle Versuche, ihre Vorrangstellung zu beschneiden, gescheitert.

Für den Normalanleger bleibt die bedrückende Erkenntnis: Die staatliche Rente wird nicht reichen - wie die heutige politische Diskussion deutlich zeigt -, und mit privater Vorsorge lässt sich die Lücke auch nur mit Mühe schließen. Zur Verwirrung trägt bei, dass recht attraktive Angebote wie die Riesterrente so kompliziert sind, dass sie kaum jemand versteht. Letztlich gilt auch privat die Devise: Sparen, sparen, sparen. Schade nur, dass damit der Konjunktur gar nicht geholfen ist.

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