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Kommentar: Telekomkonzerne kehren die Trümmer zusammen

Den ehemaligen Monopolisten steht ein langer Abstieg vom Schuldenberg bevor

Wortreich erklärte der Finanzvorstand der France Télécom, dass es keinen Grund zu Panik gebe. Er fühle sich überhaupt nicht unwohl mit einem Schuldenberg von 64,9 Milliarden Euro, sagte Jean-Louis Vinciguerra vorgestern Abend. Der Cash-flow sei hoch genug, man könne die anstehenden Zinsen locker bezahlen und das Verhältnis zwischen Schulden und Einnahmen sei nicht übel. Die beruhigenden Worte haben ihre Wirkung verfehlt. Die France-Télécom-Aktie rutschte gestern deutlich ins Minus.

Der Aktienkurs auf nicht enden wollender Talfahrt, während sich der Schuldenberg hoch auftürmt - dieses Dilemma teilt die France Télécom mit den meisten anderen ehemaligen Telefon-Monopolisten, darunter der Deutschen Telekom mit Verbindlichkeiten von 65,5 Mrd. Euro, der niederländischen KPN mit 22,8 Mrd. Euro und der finnischen Sonera mit 5,1 Mrd. Euro. Ihre Schulden sind bis zu sechsmal so hoch wie das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Der Schuldendienst zehrt allein bei der Deutschen Telekom bei einem erwarteten Ebitda in diesem Jahr von rund 15 Mrd. Euro ein knappes Drittel auf.

Die Unternehmen versuchen die Anleger zu beruhigen, beschwören die großen Wachstumspotenziale ihrer Mobilfunktöchter, werben um Verständnis, erklären ihre Zahlen, verteidigen ihre Strategie, besänftigen, stellen klar - kurzum: sie kehren die Trümmer zusammen, die der Zusammenbruch des Booms im Telekommunikationssektor hinterlassen hat. Seitdem stehen die Konzernriesen fast da wie wackelige Internet-Startups - trotz der Milliardenvermögen in den Bilanzen.

Es ist schon erschreckend, in welchem Tempo die Verbindlichkeiten im vergangenen Jahr gewachsen sind. Die UMTS-Ausgaben haben die Schulden der europäischen Telekomkonzerne insgesamt auf rekordverdächtige 150 Mrd. Euro getrieben.

Die Unternehmen versuchen jetzt gegenzusteuern, haben die Subventionen für das Werben neuer Handy-Kunden teilweise und die Ausgaben für neue Beteiligungen völlig zurückgefahren und verscherbeln alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört. Doch bisher ist die Mühe vergebens: Die Telekomkonzerne können beim Schuldenabbau ihren Zeitplan nicht einhalten, sie riskieren sogar, dass sie Vermögen unter Wert verkaufen, weil sich höhere Preise nicht erzielen lassen. Beispiel: der Verkauf der TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom. Das Unternehmen war in keiner guten Verhandlungsposition und musste deshalb einige Kröten schlucken, die der US-Konzern Liberty Media ihm servierte.

Die Rating-Agenturen sitzen den Konzernen im Nacken. Wenn sie den Daumen senken und die Bonitätsbewertung herabstufen, zahlen die Unternehmen noch höhere Zinsen auf Anleihen. Die Börse als Geldquelle ist ebenfalls vorerst versiegt. Daher steht auch hinter dem Börsengang der Telekom - Mobilfunksparte T-Mobile ein großes Fragezeichen. Zehn Mrd. Euro will der Ex-Monopolist damit erlösen, um seine Verbindlichkeiten zu senken.

Die Alternativen zum Schuldenabbau sind rar. Solange die Konzerne das Problem aber nicht in Griff bekommen, werden Ron Sommers Vorstellungen zum Aktienkurs der Telekom Wunschdenken bleiben. "Mein Name steht für 65 Euro", hat er gesagt. Der Mann hat noch Träume.

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