Kommentar: Teures Lehrgeld
Fraport hat sich an der eigenen Gier verschluckt

Auf den Philippinen gehen die Uhren anders, besonders im Geschäftsleben - eine Plattheit, die auszusprechen man sich schämt. Wer das nicht weiß, zahlt bitteres Lehrgeld - wie derzeit der Frankfurter Flughafenkonzern Fraport. Er baut als Generalunternehmer den Internationalen Passagier-Terminal 3 auf dem Ninoy Aquino International Airport der philippinischen Hauptstadt Manila, eine der größten deutschen Investitionen in Südostasien. 350 Millionen US-Dollar hat Fraport in Manila bereits verbuddelt - doch das Projekt hängt in der Luft.

HB FRANKFURT 10.4.2002. Der besorgte Aufsichtsrat hat inzwischen die Reißleine gezogen. Kein Cent soll mehr nach Manila fließen, bevor sich Fraport nicht mit der Regierung der Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo und dem lokalen Joint-Venture-Partner, der Unternehmerfamilie Cheng, geeinigt hat. Lange hielt Fraport-Chef Wilhelm Bender im Manila-Projekt eine Vogel-Strauß-Politik für angemessen - viel zu lange. In der deutschen Öffentlichkeit pocht er auf die völkerrechtliche Gültigkeit der Fraport-Verträge mit Manila. Doch diese Argumentation ist politische Heuchelei.

Zur Vorgeschichte: Der damalige Präsident Fidel Ramos erteilte 1997 die Konzession für den neuen Terminal. Gewinner waren die Chengs, in Manila als gerissene Geschäftsleute stadtbekannt. Unter Ramos? Nachfolger Joseph Estrada konnten sie den Vertrag drei Mal so nachbessern, dass sie bei der Vergabe weiterer Unterkonzessionen faktisch ein Monopol ergatterten - mit traumhaften Renditen von 25 Prozent, was selbst für lokale Verhältnisse unanständig hoch war. In einem Rechtsstaat mit einer Kartellbehörde wären die Verträge ohne Chancen. Deutsche Manager warnten damals bereits vor Ort, der Fraport-Konzern verschlucke sich an seiner eigenen Gier.

Klar ist zumindest so viel: Auf das Vertragswerk flog Fraport wie Bienen auf den Honig, betäubt vom süßen Duft des Geldes. Im Sommer 1999 unterzeichnete Bender deshalb im Beisein Estradas - eines Mannes, der bereits im Ruf stand, selbst für die Philippinen neue Standards der Staatskorruption zu setzen. Nach seinem Sturz folgte Arroyo als Kommissarin im Kampf gegen Estradas Augiasstall. Folgerichtig vertritt sie die Position, den Grundvertrag zwar anzuerkennen, nicht aber dessen "Nachbesserungen". Die haben das Terminal längst zum größten Skandalprojekt des Landes befördert.

Würde Arroyo sie anerkennen, verriete sie ihr politisches Glaubensbekenntnis. Sie wird vom Staatsvolk zu Hause gewählt, nicht vom Fraport-Vorstand. Darüber hinaus bezweifeln auch Juristen die Gültigkeit der "Nachbesserungen". Sie hätten bei diesem Projekt von der obersten Investitionsbehörde Neda genehmigt werden müssen - was nicht geschah. Benders verhaltene Drohung, die Philippinen würden ihrem Image als Investitionsstandort schaden, sollte Fraport in Manila scheitern, ist wohl nur das Pfeifen im Walde. "Man muss die Verhältnisse hier kennen", urteilen Manager multinationaler Unternehmen in Manila. Dabei hätte Fraport von der Deutschen Telekom lernen können: Die setzte in den 90er-Jahren in Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen mehr als 1,1 Milliarden DM in den Sand. Beim Fraport-Projekt bleiben viele Fragen unbeantwortet, vor allem eine: Wer trägt in Frankfurt dafür die Verantwortung?

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