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Kommentar: Totalschaden für EM.TV – schlimmer Crash für Kirch

Am Freitag zerlegte sich nicht nur das Formel 1-Imperium von Bernie Ecclestone in seine Einzelteile. Absehbar sind auch die fatalen Folgen für die beiden Medienunternehmen EM-TV und Kirch.

Wenn die führenden Autohersteller mit ihren Renn-Allianzen - wie Fiat-Ferrari, Mc-Laren-Mercedes, Williams-Renault, Jordan-Honda oder Jaguar-Cosworth - bis 2008 eine neue Weltmeisterschaft gründen, werden sie das Milliardengeschäft Formel Eins beenden. Für den Fernsehzuschauer ändert sich nicht das Geringste. Für die Automobil-Konzerne aber beginnt ein milliardenschwerer Vermarktungspoker.

EM-TV und Kirch haben zusammen 2,7 Mrd. $ investiert, um 75 % an der Ecclestone-Firma Slec zu erwerben. Slec vermarktet sämtliche Fernsehrechte an der Formel Eins. Nicht nur Bernie Ecclestone droht nun das Aus. Die neue Rennserie könnte auch EM-TV den Todesstoß versetzen und sich zu einem Milliardenproblem für den Medienunternehmer Leo Kirch entwickeln. Alle drei hatten sich in der jüngsten Vergangenheit bemüht, die Unfallgefahr für ihre Unternehmen herunter zu spielen. Sie stellten die sich abzeichnende Revolte der Automobilunternehmer als Poker um bessere Beteiligungen an den Vermarktungsrechten dar und hofften im Stillen auf eine bröckelnde Front. Auch Analysten werteten die Ankündigungen als Säbelrasseln.

Ecclestone wollte nicht daran glauben

Aus ihrer Sicht war das Treffen der Autohersteller Anfang April in Genf ein Warnschuss - nicht mehr. Die Vertreter der Formel-Eins-Hauptdarsteller kündigten die Gründung einer Gesellschaft an, die eine "eigene Weltmeisterschaft für einsitzige offene Rennwagen" aufbauen sollte. Zwar kommentierte der erregte Ecclestone, "was ich in 30 Jahren aufgebaut habe, kann in sechs Monaten zersört werden", sprach anschließend jedoch davon, dass er den Autofirmen wenig Chancen gebe. Große Sponsoren und Fernsehgesellschaften würden ihr Interesse verlieren, wenn die Serie in zwei rivalisierende Veranstaltungen aufgeteilt würden. Ecclestone glaubte nicht daran, dass die Automobilkonzerne ernst machen würden.

Doch nach der neu eingeleuteten "Pokerrunde" legten die Automobilboliden von Ferrari bis Mercedes einen Blitzstart hin. Nach nur einem Monat sind sämtliche rechtlichen Fragen geklärt und die Verträge unterschrieben. In den kommenden Tagen soll die Firma gegründet werden, die Kirch, EM-TV und Ecclestone aus dem Rennen werfen wird.

Die Topfahrer werden wechseln

Denn Formel Eins ist nur ein Name. Die Transporteure der Botschaft "Hightech-Rennsport" und "Königsklasse" sind jedoch weltweit bekannte Automobilmarken wie Ferrari, Mercedes, BMW oder Fiat. Und mit ihren Rennställen werden auch weltmeisterlich vermarktete Top-Fahrer wie Michael Schumacher, Häkkinen oder Coulthard in die neue Rennserie wechseln. Dort warten die Zuschauer auf ihre Helden und ihre Automarken. Dort berichtet die Bildzeitung über Boxenluder und dort fließt der Treibstoff für Einschaltquoten.

Rund eine Mrd. DM investieren die Automobilunternehmen in dieser Saison in die Formel Eins. Diesen Ausgaben stehen Gewinne von 100 Mill. DM pro Rennen für Werbeeinnahmen auf Seiten von Fernsehsendern wie RTL gegenüber - und 300 Mill. DM, die Ecclestone Schätzungen zu Folge im vergangen Jahr in seine Tasche stecken konnte. Es gab nur einen, der zahlte, die Automobilkonzerne. Dies wird sich 2008 ändern. Kirch und EM-TV haben zu hoch gepokert.

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