Kommentar
Volkswagen: Entwarnung gibt es erst im Herbst

Der VW-Konzern beweist Realitätssinn: Weil der Autoabsatz auf den wichtigsten Märkten weltweit stockt, nimmt das Management unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder das Ertragsziel für das laufende Jahr zurück. Statt 4,4 Milliarden sollen es jetzt nur noch 4 Milliarden Euro werden.

In der Vergangenheit hätte es einen solchen Sinneswandel kaum gegeben. Vor Pischetsrieder war VW bekannt dafür, starrsinnig an einmal gemachten Prognosen festzuhalten. Die Börse wertete die neue Politik sofort als "vertrauensbildende Maßnahme". Das Ergebnis: Während der Dax gestern Verluste hinnehmen musste, legte die Volkswagen-Aktie deutlich zu.

Allerdings sollte sich niemand von der ersten positiven Reaktion der Finanzmärkte täuschen lassen. Der VW-Konzern hat seinen Aktionären nichts anderes als eine verdeckte Gewinnwarnung präsentiert. Weltweit stecken die Automobilmärkte in einer Krise, in der zweiten Jahreshälfte ist kaum mit einer durchgreifenden Besserung zu rechnen. Und weil die Trendwende auf breiter Front ausbleiben wird, muss auch Volkswagen seine Gewinnziele zurücknehmen.

Auch mit seiner neuen Ertragsprognose ist VW noch nicht über den Berg. Das jetzt verkündete Ziel bleibt ehrgeizig und ist weiterhin mit Risiken verbunden. Die große Unsicherheit besteht darin, ob das Unternehmen tatsächlich noch gegensteuern kann, sollte sich die Absatzkrise weiter verschärfen. Auf der Kostenseite scheint nicht mehr viel möglich zu sein: Im Wolfsburger Stammwerk etwa kann die wöchentliche Arbeitszeit nicht noch weiter heruntergefahren werden. Auch die Werksferien lassen sich nicht unendlich verlängern.

Entscheiden wird es der Herbst: Gibt es nach den großen Ferien eine leichte Belebung der Nachfrage, wäre VW aus dem Gröbsten heraus.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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