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Kommentar: Zwickel zündelt mit den Lohnzahlen

Wer bisher noch hoffnungsvoll an der Ernsthaftigkeit des IG-Metall-Chefs gezweifelt hatte, der wird nun endgültig eines Besseren belehrt: Klaus Zwickel und seine Gewerkschaft meinen es ernst mit dem Kurswechsel in der Tarifpolitik.

Wer bisher noch hoffnungsvoll an der Ernsthaftigkeit des IG-Metall-Chefs gezweifelt hatte, der wird nun endgültig eines Besseren belehrt: Klaus Zwickel und seine Gewerkschaft meinen es ernst mit dem Kurswechsel in der Tarifpolitik. Mochte man den Vorsitzenden bisher noch mitfühlend für den einsamen Mahner halten, dem es nur leider nicht gelang, die Ansprüche der eigenen Klientel zu dämpfen - inzwischen sorgt er selbst aktiv dafür, dass die IG Metall kaum noch ohne eine Sechs vor dem Komma ihrer Lohnforderung in die Verhandlungen ziehen kann.

Die am 10. Dezember vom Vorstand beschlossene Empfehlung gibt den Gewerkschaftsbezirken zwar nach wie vor eine Bandbreite von fünf bis sieben Prozent für ihre Beschlüsse vor. Doch gestern hat Zwickel den Spielraum bereits zum zweiten Mal öffentlich eingeengt. War zunächst noch undeutlich von einer Forderung "im oberen Drittel" dieser Spanne die Rede, so engt er die Bandbreite nun explizit auf sechs bis sieben Prozent ein. Muss man sich darauf einstellen, dass er als Nächstes nur noch die "obere Hälfte" dieses eingeengten Bereichs für relevant erklärt?

Es ist schon paradox: Ein Konjunkturabschwung hat die positiven Beschäftigungswirkungen der moderaten Lohnabschlüsse für die zurückliegenden beiden Jahre überdeckt; eine unbeholfene Reformpolitik der rot-grünen Koalition trug ebenfalls dazu bei, dass der Arbeitsmarkt nicht in Schwung kam. Und prompt setzt die IG Metall wieder Lohnpolitik mit dem dutzendfach widerlegten Kaufkraftargument aufs Programm.

Womöglich ging schon das Lob für den beschäftigungsfreundlichen Tarifabschluss des Aufschwungjahres 2000 zu oft an die falschen Adressaten. Er trug eigentlich den Stempel der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Leider spricht vor den im Februar beginnenden Verhandlungen nichts dafür, dass diese der Tendenz zur Maßlosigkeit ein weiteres Mal Einhalt gebieten könnte, indem sie sich vor den Metallern an die Spitze der Tarifbewegung setzt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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