Kommunalwahlen in zwei Runden
Linke haben bei französischen Kommunalwahlen die Nase vorn

Umfragen zufolge, liegt die französische Linke bei den Kommunalwahlen vorn.

Reuters PARIS. Die französische Linke wird aus den am Sonntag beginnenden Kommunalwahlen voraussichtlich als Siegerin hervorgehen und Umfragen zufolge auch in das Pariser Rathaus einziehen. Die zweite Runde mit den Stichwahlen findet am 18. März statt. Den jüngsten Umfrageergebnissen zufolge liegen die Sozialisten, Kommunisten und Grünen zwar nur knapp vor der neogaullistischen RPR und der zentristischen UDF. Dennoch könnten sie in der Hauptstadt und weiteren großen Städten die Mehrheit erringen. Vor allem in Paris haben die Sozialisten gute Chancen, erstmals seit 130 Jahren den Bürgermeister zu stellen. Auch in Lyon und Toulouse könnte die Linke in die Rathäuser einziehen. Wegen der 2002 bevorstehenden Präsidentenwahl hat die Entscheidung um die rund 36 000 Bürgermeisterposten hohe landespolitische Bedeutung.

Paris gilt als konservative Hochburg

Paris galt lange als konservative Hochburg. Der jetzige Staatspräsident Jacques Chirac (RPR) war von 1977 bis 1995 Bürgermeister der Hauptstadt. Nach Einschätzung von Experten würde es ein politisches Erdbeben bedeuten, wenn die Neogaullisten tatsächlich in Paris verlieren sollten. Der Vorsitzende der Kommunisten, Robert Hue, warnte unterdessen vor Euphorie. Schließlich hätten 25 % der Wähler sich noch nicht endgültig entschieden. Der sozialistische Pariser Bürgermeisterkandidat Bertrand Delanoe zeigte sich ungeachtet dessen siegesgewiss und sprach von einem "frischen Wind", der durch die Hauptstadt wehen werde. Nach Informationen aus seinem Umfeld wird seine Stadtregierung zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzt sein.

Amtsinhaber steht unter Korruptionsverdacht

Delanoes Gegner in Paris sind der unter Korruptionsverdacht stehende Amtsinhaber Jean Tiberi und der ehemalige Parlamentspräsident Philippe Seguin, die beide der RPR angehören. Tiberi hatte sich zur Kandidatur als Unabhängiger entschlossen, nachdem er bei der Nominierung von seiner Partei übergangen worden war.

In Lyon hat der Sozialist Gerard Collomb gute Siegeschancen, falls der ehemalige Verteidigungsminister Charles Millon seine Kandidatur in der zweiten Runde der Kommunalwahlen aufrecht erhält und dadurch die konservative Wählerschaft spaltet. Millon war 1998 aus der UDF ausgeschlossen worden, nachdem er sich mit den Stimmen des rechtsextremen Front Nationale zum Nationalratsvorsitzenden der Region Rhône-Alpes hatte wählen lassen. Der Amtsinhaber und ehemalige Premier Raymond Barre von der UDF tritt nicht mehr an.

Rennen um den Bürgermeisterposten in Toulouse

Große landespolitische Bedeutung hat auch das Rennen um den Bürgermeisterposten in Toulouse. Der UDF-Spitzenkandidat und Chirac-Anhänger Philippe Douste-Blazy liegt in den Umfragen nur knapp vor seinem sozialistischen Gegner. Bei einem Verlust der Wahl hätte er kaum die notwendige Macht, um seinen Parteivorsitzenden Francois Bayrou davon abzuhalten, gegen Chirac bei den Präsidentschaftswahlen zu kandidieren.

Chirac bereitet sich einem Bericht der Zeitung "Le Figaro" zufolge bereits auf eine Wahlniederlage vor. Er hoffe, dass das konservative Lager nach dem erwarteten Rückschlag seine Differenzen überwinden werde, um ihn bei den Präsidentschaftswahlen zu unterstützen, zitierte das Blatt Chirac-Vertraute.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%