Kommunikation ohne Grenzen
Schöne neue, bunte UMTS-Welt

HB Unaufhaltsam rückt der Tag der Einführung von UMTS näher. Von hoher Bandbreite, Multimedia und Videostreaming ist die Rede. Aber was das für den Endanwender bedeutet, ist den meisten Menschen alles andere als klar.

Heute rufe ich von meinem GSM-Handy zu Hause bei meiner Frau an, um Bescheid zu sagen, dass ich später komme. Und mit UMTS soll das alles anders, bunter, schöner und multimedialer werden? "Wie soll das denn gehen?", fragt der Anwender.

Bei der Telefonie ändert sich tatsächlich mit UMTS nichts, zumindest nicht für den Anwender. Die Frage zeigt aber, dass zwar alle über UMTS reden, aber keiner wirklich weiß, was es eigentlich soll. Von toller Bandbreite von 2 Mbit/s (immerhin 32-mal so schnell wie ISDN) ist die Rede. Ja, und? Sicher wird es den interessierten Leser jetzt nicht aus der Ruhe bringen, wenn ich sage, dass die 2 Mbit/s nur theoretischer Natur sind.

Vielzahl von neuen Möglichkeiten

Aber irgendetwas muss an UMTS ja dran sein, sonst würde nicht jeder darüber reden, und vor allem wären die Lizenzen nicht Millarden Euro wert gewesen. Was UMTS wirklich ausmacht, sind zwei Merkmale, nämlich die Konvergenz der Dienste und dass UMTS ein paketbasiertes Übertragungsverfahren ist. Auf das besagte Telefonat mit meiner Frau hat das wenig Auswirkungen. Aber es eröffnet eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten.

Das UMTS-Gerät ist immer auf Sendung

Schauen wir uns die erwähnten Merkmale etwas genauer an: Paketbasierte Übertragung bedeutet, dass es bei UMTS keine Einwahl bei Datendiensten mehr gibt, keine Verbindung im gewohnten Sinn. Stattdessen ist das UMTS-Endgerät immer und zu jeder Zeit an das Internet angeschlossen (solange es angeschaltet ist). Davon merkt der Anwender nichts - bis er die Internetverbindung nutzen will. Dies ist dann sofort und auf der Stelle möglich, ohne dass wie heute eine Verbindung aufgebaut werden muss.

Eine Abrechnung nach Minuten macht hier keinen Sinn mehr, wohl aber nach Datenvolumen. Interessanter ist aber, dass man in einem paketbasierten Netz immer online ist. Fließen keine Daten, fallen auch keine Kosten an. Im GSM- Netz kennen wir etwas Ähnliches mit SMS. Eine SMS erreicht uns auch immer (vorausgesetzt, das Handy ist an).

In Verbindung mit der hohen Bandbreite (auch wenn es weniger als 2 Mbit/s sind, so wird die Bandbreite doch deutlich über der von ISDN liegen) eröffnen sich neue Horizonte. Reisende Geschäftsleute können über ihr Handy immer mit den Unternehmenssystemen verbunden sein. Das ist möglich mit dem Handy allein (per Wap), aber auch mit anderen Endgeräten wie z.B. mit einem Laptop oder auch einem PDA.

Videostreaming und Video-on-Demand werden möglich

Bei ausreichender Bandbreite werden dann auch Multimediaanwendungen möglich, z.B. Videostreaming. Damit könnte ich meiner Frau den Stau zeigen, in dem ich gerade feststecke, oder ich kann eine Videokonferenz mit meinem Geschäftspartner machen.

Für die Unterhaltungsindustrie bieten sich spannende Möglichkeiten an: Video-on-Demand, Musik über das mobile Endgerät. Auch die Werbung wird das neue Medium zu nutzen wissen.

Konvergenz der Dienste

Etwas komplexer ist das Thema der Konvergenz der Dienste. Technisch bedeutet das, dass Datendienste und Telefonie, also Sprache, auf dem gleichen Übertragungsverfahren basieren. Es gibt bei UMTS technisch keinen Unterschied zwischen der Datenübertragung und dem "normalen" Telefonieren. Wie gesagt, beim Gespräch mit meiner Frau merke ich davon nichts. Aber hier verbirgt sich das Revolutionäre an UMTS. Damit ist der Grundstein gelegt für neue, innovative Dienste, die beides verbinden. Man denke beispielsweise an einen Hotline-Anruf, bei dem mit Hilfe von Bildern und Videoaufzeichnungen viel schneller und umfassender geholfen werden kann. Aber UMTS wird das alles nicht alleine schaffen. UMTS ist die Grundlage für neue Kommunikationsmöglichkeiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und so wird der Endanwender auch nicht viel von UMTS selber sehen. Sehen wird er die neuen Endgeräte und die Dienste und Anwendungen.

Genauso wie es heute ISDN-Kunden gibt, die über ISDN "nur" telefonieren, wird es auch UMTS-Nutzer geben, die nur telefonieren. Bei den Endgeräten wird sich das in einer breiten Palette von einfachen Geräten über hoch spezialisierte, bis hin zu technisch ausgefeilten Multimedia-Handys bemerkbar machen. Interessant wird besonders die Kombination von verschiedenen Geräten mit dem Übertragungsmedium UMTS.

Interessante Dienste

In Zukunft muss das Navigationssystem nicht mehr im Auto eingebaut sein, sondern könnte als Online-Dienst genutzt werden. Der Anwender könnte Handy, PDA oder vielleicht ein fest eingebautes Terminal im Auto benutzen. Solche Online-Systeme sind wesentlich leistungsfähiger als autonome Systeme, da im Online-System Daten viel einfacher aktuell gehalten werden können.

Das Navigationssystem kann dann zum ausgewachsenen Verkehrsassistenten werden, indem es z.B. bereits vor der Abfahrt vor einem Stau warnt, eine alternative Route vorschlägt und den Fahrer informiert, dass er in diesem Falle 20 Minuten früher losfahren muss. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Kommunikation ohne Grenzen? Vermutlich nicht. Aber Tatsache ist, dass die meisten der heutigen engen Grenzen mit UMTS abgeschafft werden.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle GSM-Nutzer: Sie brauchen ihr lieb gewonnenes Handy noch lange nicht wegwerfen. Auch nach der Einführung von UMTS, so die Einschätzung von Telekommunikationsexperten, wird das GSM-Netz noch einige Jahre weiter existieren.

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