Kommunikationsbranche profitiert vom hohen Beratungsbedarf – Verkauf des Kirch-Imperiums gibt Impulse: Strippenzieher für Haim Saban

Kommunikationsbranche profitiert vom hohen Beratungsbedarf – Verkauf des Kirch-Imperiums gibt Impulse
Strippenzieher für Haim Saban

Beim Einstieg des US-Milliardärs Haim Saban in den Bieterkampf um Kirch Media spielten PR-Profis eine entscheidende Rolle. Spezialisierte PR-Agenturen kreieren bei Fusionen und Übernahmen das richtige Image.

DÜSSELDORF. Seit der Filmrechtehändler Haim Saban Ende März den Kaufvertrag für die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 Media AG und für alle Filmrechte der insolventen Kirch-Media unterschrieben hat, ist die Presse voll des Lobes über den Amerikaner. Dass der vorher weitgehend unbekannte Saban inzwischen eine große Rolle im deutschen Blätterwald spielt, ist der PR-Agentur Citigate Dewe Rogerson zu verdanken. Sie hatte den Auftrag, den Kirch-Käufer Saban bekannt zu machen.

"Wir agieren als Pressestelle der Saban Capital Group", sagt Bernhard Meising, Geschäftsführer der Düsseldorfer Agentur, einer Tochter der britischen Incepta-Gruppe. Diskret, versteht sich. Denn noch stehen die Genehmigungen des Bundeskartellamtes und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) für den Saban-Einstieg bei Proben Sieben aus.

Der Markt für Finanzkommunikation ist seit Ende des Börsenbooms kontinuierlich geschrumpft - Börsengänge finden kaum noch statt. Aufsehen erregende Transaktionen wie der Verkauf des Kirch-Medienimperiums sind für die PR-Agenturen deshalb lukrative Höhepunkte. Geschäfte von der Größenordnung des Kirch-Verkaufs gelten in Branchenkreisen als stimulierend für das gesamte Kommunikationsgeschäft.

"Die Transaktionsberatung ist ein Bereich mit hoher Wertschöpfung für die Agenturen", sagt Elke Neujahr, Managing Partner beim PR-Branchenführer ECC Group. "Mergers und Acquisitions ist ein Geschäft mit guten Aussichten in diesem Jahr", ist sich Lutz Golsch, Geschäftsführer von Ahrens & Behrent Financial Dynamics, ebenfalls sicher. Seine Agentur war 2002 bei der Übernahme des Backkonzerns Kamps durch Barilla für die Pressearbeit verantwortlich. Auch Citigate rechnet im laufenden Jahr - zusätzlich zu Saban - mit weiteren Beratungsaufträgen durch große Firmenverkäufe. Die Agentur soll unter anderem die Übernahme des Wella-Konzerns durch den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble in ein gutes Licht rücken. "Wir sind die Büchsenspanner im Hintergrund", charakterisiert Meising die Arbeit seines Teams. Morgens analysieren die PR-Berater alle Pressemeldungen, bevor sie jedes Mal aufs Neue ihre Kommunikationseinsätze für das Unternehmen planen.

Bei Saban hieß das zu Anfang: mit bekannten Journalisten der Medienszene Hintergrundgespräche führen, Unterlagen zur Verfügung stellen und Interviews mit Saban arrangieren. Meising und Kollegen saßen zu Jahresbeginn häufig neben Anwälten und Bankern in den Beratungsrunden des US-Medienunternehmers. "Die Herausforderung war es, den Beweis der Glaubwürdigkeit des Angebotes von Haim Saban durchzuführen", sagt die frühere Journalistin und Pressesprecherin Elisabeth Ramelsberger, die jetzt für Citigate arbeitet.

Doch die PR-Aufgabe ist noch nicht beendet. Jederzeit drohen der Kommunikationsarbeit "Querschläger" konkurrierender Medienunternehmen, die Saban die Kirch-Übernahme noch streitig machen könnten. Nun heißt die Aufgabe, den Mann, der mit der Zeichentrickserie "Power Rangers" und einem Kinderkanal sein Vermögen machte, einer noch breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

Den Zuschlag für das Geschäft mit Saban haben die Düsseldorfer im Januar über ihre New Yorker Niederlassung bekommen. Welchen Beitrag das Beratungshonorar zu den PR-Umsätzen der deutschen Citigate-Gruppe leisten wird (in 2002 laut PR-Report 6,94 Mill. Euro), ist offen - das Geschäft mit Firmenübernahmen ist verschwiegen.

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