Kommunikationslösung drückt die Transaktionskosten
Kunde zahlt am Automaten per Handy

Außerhalb der Geschäftszeiten Getränke oder Süßigkeiten zu kaufen, ist schwierig. Dies könnte sich bald mit einem Automaten ändern, der baurechtliche Auflagen erfüllt und bei dem der Kunde bargeldlos bezahlen kann.

Die Berliner Streetvending AG will in Deutschland den Verkauf von Getränken und Snacks auf die Straße bringen. Dazu hat das Unternehmen gemeinsam mit der Melitta System Service GmbH einen High-Tech-Automaten mit Handy-Payment- und Telemetriesystem (Fernmesstechnik) entwickelt. Es ist das erste komplett bargeldlose Gerät, bei dem per Handy sowie mit der Geld- oder EC-Karte bezahlt wird. Anfang kommenden Jahres soll es deutsche Städte erobern.

Der Automat kommuniziert in Echtzeit mit einer Operator-Zentrale, in der zugleich mit dem Bezahlvorgang alle Informationen über Verbrauch, Nachfüllbedarf und etwaige Störungen eingehen. Die Technik wollen die Entwickler aus Konkurrenzgründen nicht en detail preisgeben - der Kern des Systems sei die Kommunikation zwischen Kunde und Zentrale via GSM. Der Bezahlvorgang ist recht simpel: Der Kunde wählt eine kostenfreie Nummer, woraufhin ihn die Zentrale anhand seiner fälschungssicheren GSM-Caller ID erkennt und den Ausgabevorgang einleitet.

Das soll innerhalb von Sekunden geschehen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Verbraucher vorher kostenlos registrieren lässt, damit das Geld per Lastschriftverfahren von seinem Konto abgebucht werden kann. "Bis das Handy-Payment so weit ist, dass die Beträge auf der Telefonrechnung auftauchen, wird es noch etwas dauern", sagt Hubertus Sprungala, Gründer und Vorstand von Streetvending.

Studie belegt Bedarf

Dass in Deutschland ein Bedarf an Automaten für den Straßenverkauf besteht, zeigt eine gemeinsame Studie von Coca-Cola und der Unternehmensberatung Roland Berger. Das Ergebnis der inzwischen vier Jahre alten Untersuchung: In der gibt es einen Markt für mindestens 100000 öffentliche Getränkeautomaten. Jeder einzelne bräuchte jedoch eine Baugenehmigung - deshalb wurde bislang nichts aus entsprechenden Plänen.

Die Auflagen gelten jedoch nur für Automaten, die mehr als 30 Zentimeter in den öffentlichen Raum ragen - flache Zigarettenautomaten beispielsweise, die an Hauswänden angebracht sind, benötigen keine Genehmigung. Streetvending hat deshalb ein 28 Zentimeter tiefes, 98 Zentimeter hohes und 1,30 Meter breites Gerät konstruiert. Vakuumplatten aus der Weltraumtechnik sorgen dafür, dass die Getränke kühl bleiben, und Leuchtdioden statt Neonröhren sparen Energie. Allerdings fasst das Gerät nur 170 statt der üblichen 380 Dosen.

Die Aufsteller sind jedoch stets per SMS, E-Mail oder Fax über den Füllstand im Bilde - und können rasch reagieren, wenn sich der Vorrat dem Ende neigt. Im Vergleich zu herkömmlichen Automaten entfallen unnötige Befüllfahrten, Bargeldtransporte, Wechselgeldprüfungen und Kontrollen des Münzprüfers. Experten räumen den Plänen von Streetvending gute Chancen ein: "Es wird Zeit, dass jemand offensiv dafür sorgt, auch im öffentlichen Raum Getränke auf Armeslänge anzubieten", sagt Norbert Monßen, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Vending- und Automatenwirtschaft (BDV). "Bisher arbeitet die Branche eher im Verborgenen." Die 240.000 Getränke- und 150.000 Snackautomaten stehen zu 90% in Betrieben, Bahnhöfen und Kantinen. Monßen geht von einem Bedarf zwischen 100.000 und 200.000 Getränkeautomaten aus.

Auch bei der Marktakzeptanz ist Monßen zuversichtlich: "Wesentlich dafür ist unkompliziertes Bezahlen, wie es die Berliner vormachen." Zudem gebe es in Deutschland mehr Handys als geladene Geldkarten. "In dieser Hinsicht übernimmt die Streetvending AG mit ihrem einfachen System eine Vorreiterfunktion", sagt der BDV-Geschäftsführer. Die anderen Anbieter des bargeldlosen Bezahlens via Handy dagegen hätten Probleme mit zum Teil hohen Betriebs- und Transaktionskosten oder umständliches Code-Eingeben das Handling erschwere.

Transaktionskosten zu hoch

Konkurrenten der Berliner sind Firmen wie TelliQ, Tovenco oder mcity. Letztere hat im März dieses Jahres ein Pilotprojekt in Köln gestartet. Auch dort können Kunden Waren aus entsprechenden Automaten-die allerdings in Gebäuden aufgestellt sind- per Handy bezahlen. "Da hier eine andere Kommunikationslösung genutzt wird, zahlen die Anbieter Transaktionskosten von bis zu 50 Cent. Das rechnet sich für niedrigpreisige Ware wie Getränke oder Süßigkeiten nicht", sagt Peter Hahn, Mitarbeiter des Lösungsvertriebs von IBM, der beide Projekte kennt.

Die Lösung von Streetvending sei hier kostengünstiger, bestätigt Hahn. Auch sonst sind die Kosten für die Automaten gering:Die einmalige Ausstattung mit Funkmodem und Telemetriesteuerung wird mit 200 bis 250 Euro kalkuliert. Die laufenden Kosten sollen monatlich sechs Euro betragen. Der Automat selbst wird etwa 4500 Euro kosten - so viel wie ein herkömmliches Gerät. "Unser Ziel ist, in den kommenden drei Jahren 8000 Geräte zu installieren", sagt Richard Radtke, Vorstand von Streetvending. Ab November werden die ersten Testgeräte in Hamburg aufgestellt.

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