Kommunikationssoftware erleichtert das Telefonieren
Web.de schaltet Telefonkonferenzen per Internet

Mit einem innovativen Web-Service will Web.de in den Telekommunikationsmarkt einsteigen. Der Com.Win genannte Dienst verspricht komfortables Telefonieren ohne komplizierte Technik.

DÜSSELDORF. Mit seiner Com.Win- Technik verlagert die Web.de AG die Telefonanlage ins Internet. Der Kunde hat nur einen einfachen Telefonapparat und einen Web-PC und kann trotzdem digitale Funktionen wie etwa eine Konferenzschaltung nutzen. Das Angebot, das der Onlinedienst zurzeit vor allem Privatanwendern auf seiner Internetseite offeriert, steckt noch in den Kinderschuhen: Marktbeobachter rechnen angesichts des hohen Preises für die Dienstleistung zunächst mit einer geringen Marktakzeptanz.

Der Kunde wählt in seinem Web-Adressbuch die Gesprächspartner aus und per Mausklick wird der Gesprächsaufbau eingeleitet. Der Com. Win-Computer wählt zuerst den Anrufer an und dann - nachdem dieser den Hörer abgenommen hat - die anderen Konferenzteilnehmer. Gebühren werden fällig, sobald das Gespräch zu Stande kommt. Im Vergleich zu üblichen Telefonanlagen, die diverse Tastenkombinationen erfordern, um Konferenzen aufzubauen, hat sich dies im Praxistest als sehr einfach herausgestellt.

Ist ein Gesprächspartner nicht erreichbar, kann per Mausklick eine SMS oder E-Mail verschickt werden. Die Einwahl in das System ist von jedem beliebigen PC oder einem Wap-Handy aus möglich. Zum Beispiel per Laptop und WLAN aus einem Hotelzimmer heraus. Da in dem Zimmer angerufen wird, fallen - wie bei einem Rückruf - nur die normalen Verbindungsgebühren an.

Zweieinhalb Jahre hat Web.de an der Technik - die mit über 20 Patenten geschützt sei - gefeilt, erläutert Gründer und Vorstandschef Matthias Greve. Seit dem Start im Oktober 2002 erfolgen monatliche Funktionserweiterungen. So soll heute die Integration des Betriebssystems Windows XP erfolgen. Dann kann ein Telefongespräch per Com.Win direkt aus Office-Anwendungen wie Outlook oder einem Word-Dokument aufgebaut werden.

Für Mai ist eine Business-Version mit Funktionen wie die Erfassung der Telefonkosten nach Kostenstellen und Zahlung per Rechnung vorgesehen. Zurzeit wird noch über ein Prepaid-Konto abgerechnet. Später ist auch die Bearbeitung von Dokumenten über die Web-Plattform vorgesehen. Dienste mit ähnlichen Funktionen gibt es heute schon unter dem Stichwort "Unified Messaging". Sie erfordern aber teilweise hohe Investitionen in Telefonanlagen oder Software.

Com.Win will das alles bündeln und gleichzeitig die Abkehr von der bisher verfolgten Strategie des Voice-over-IP vollziehen. Die Telefonie per Datenleitung hat sich nicht durchsetzen können. Das sieht auch Jörg Forthmann vom Telekomberatungsdienst Mummert Consulting so. Man sehe bei den Telekomanbietern eine "Renaissance des bewährten", die Konzentration auf Sprache, SMS und DSL.

Trotzdem ist Forthmann bei Diensten wie Com.Win noch skeptisch. Die Kunden schauen "in erster Linie auf den Preis", hat Mummert in einer Studie herausgefunden. Für 40 % der Befragten seien günstige Tarife der Hauptgrund für einen Anbieterwechsel. "Innovationen" kommen mit 22 % erst auf dem fünften Rang der Prioritätenliste. Web.de-Chef Greve räumt ein, dass Com.Win eher eine "bequeme Art ist zu telefonieren - nicht die billigste". Wer keinen Online-Anschluss mit Flatrate hat, muss die Zugangskosten zum Web mit einrechnen. Greve argumentiert aber mit den Investitionskosten: Com.Win-Nutzer müssten nie mehr Telefonanlagen aufrüsten.

Die Idee habe auf jeden Fall Charme, räumt Forthmann ein. Als Plattform, die automatisch den billigsten Anbieter auswählen würde, hätte sie sicher Marktchancen. Den Zusatznutzen würden Kunden seiner Meinung nach erst honorieren, wenn "die Preisspirale im Telekommarkt unten angekommen ist". Das kann bald der Fall sein, und dann will Greve da sein: Er will die Software an Telekomfirmen lizenzieren, die einen "hohen Konkurrenzdruck verspüren" und sich zum Schluss nicht mehr über Preisvorteile vom Wettbewerb absetzen können. Com.Win helfe dann, Telefonvermittlungen und-netze besser auszulasten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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