Kompletter Austausch der Produktpalette
Opel setzt auf neue Modelle

Carl-Peter Forster will alles neu machen. Insbesondere bei den Modellen hält der seit April amtierende Opel-Vorstandsvorsitzende eine kräftige Auffrischung für unverzichtbar. Beim Sanierungsprojekt "Olympia" gibt es erste Verzögerungen.

HB RÜSSELSHEIM. Die Hälfte der dann vorhandenen Modellreihen werde aus Karosserievarianten bestehen, "die neue Segmente definieren und die es vorher bei Opel nicht gegeben hat."

Moderne Fahrzeuge mit frischem Design sollen die schlechten Image-Noten der deutschen Tochtergesellschaft von General Motors (GM) in den kommenden Jahren wieder deutlich verbessern helfen. Forster, erst seit April bei dem Rüsselsheimer Automobilhersteller im Amt, will dabei an erfolgreichere Jahre anknüpfen. "Opel hatte in der Vergangenheit ein relativ gutes Gespür für neue Karosserievarianten", verweist Forster auf frühere Zeiten. Zuletzt war die Geschichte der deutschen GM-Tochter jedoch eher von Misserfolgen geprägt. Die Marktanteile gingen in Deutschland und im restlichen Europa zurück und im vergangenen Jahr fuhr Opel einen Verlust von fast 900 Mill. DM ein. "In diesem Jahr wird es nicht wahnsinnig viel besser", kündigt er an.

Forster sieht in dem "Signum 2" den ersten Hoffungsträger

Einen ersten Hoffnungsträger in der Modellpolitik sieht Forster im "Signum 2", einer Fahrzeugstudie, die in dieser Woche erstmals auf der Frankfurter Automobilausstellung IAA vorgestellt wird. Opel versucht mit diesem Auto die Neudefinition einer Fahrzeugklasse, die weder klassischer Kombi noch üblicher Minivan sein soll. Forster verspricht "viel Variabilität um die Rücksitz-Reihe herum mit einer intelligenten Innenraumgestaltung". Das neue Auto basiert auf dem Opel-Mittelklassemodell Vectra, wird jedoch wahrscheinlich etwas größer ausfallen. In zwei Jahren soll der Signum dann in Serie gehen.

Bereits im nächsten Jahr bringt Opel eine Van-Variante des Kleinwagens Corsa auf den Markt - für das Rüsselsheimer Unternehmen ebenfalls eine komplett neue Marktnische. Die GM-Tochter will auch mit diesem Modell ein hohes Maß an Innenraum-Flexibilität anbieten. In diesem Segment droht Opel jedoch schnell Konkurrenz: Auch Ford arbeitet an einem kleinen Van auf Basis des Minis "Fiesta".

Forster lässt gleichfalls durchblicken, dass das größte Modell von Opel ("Omega") jetzt doch länger als ursprünglich geplant gebaut werden soll. Statt 2003 ist der Modellwechsel jetzt für 2004 angekündigt. Ein neuer Omega soll nicht mehr das klassische Stufenheck bekommen, sondern ebenfalls mit einer neuen Karosserievariante für Plus-Punkte beim Opel-Image sorgen. Ein Luxus-Modell oberhalb des Omega ist nach Angaben Forsters derzeit nicht im Blickfeld des Automobilherstellers. Forster sieht zudem große Effizienzdefizite in der Fahrzeugentwicklung von Opel. Das Rüsselsheimer Unternehmen liege etwa 30 % unter dem Branchendurchschnitt.

Verzögerungen bei der Umsetzung des Sanierungsprogramms "Olympia"

Verzögerungen gibt es bei der Umsetzung des Sanierungsprogramms "Olympia", das Forster spätestens Ende September abschließen wollte. Der Opel-Vorstandschef sagt jetzt, "dass wir unter Umständen noch ein wenig in den Oktober hineinmarschieren müssen". Die Realisierung hänge nicht allein vom Opel-Management ab, das den September-Termin halten wolle.

Das Unternehmen befinde sich gerade "mitten in den Verhandlungen". Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite auf europäischer Ebene seien "sehr komplex". Mit dem Mitte August verkündeten Programm "Olympia" will Forster die Produktionskapazität in allen europäischen Opel - und GM-Werken um 15 % (350 000 Autos) kürzen. Das Rüsselsheimer Unternehmen reagiert damit auf die schwächere Nachfrage nach seinen Fahrzeugen.

Forster gesteht ein, dass es beim Mittelklasse-Modell Astra die größten Kapazitätsprobleme gibt. "Wir haben beim Astra überinvestiert", sagt der Opel-Chef. Das Auto wird in Bochum, Antwerpen und im englischen Ellesmere Port gefertigt. Auch bei Motoren und Getrieben gebe es überschüssige Kapazitäten. Opel hatte sich mit seinen Betriebsräten bereits darauf geeinigt, dass es keine kompletten Standort-Schließungen geben wird. Die Aufgabe von Teilbereichen an den Opel-Standorten ist allerdings nicht ausgeschlossen. Etwa 5 000 Arbeitsplätze gehen wahrscheinlich verloren. Innerhalb der gesamten Organisation müssten Opfer erbracht werden. Mit "Olympia" verfolge Opel das Ziel, "überall sinnvolle Änderungen vorzunehmen".

Rückkehr in die Gewinnzone

Der Opel-Chef glaubt daran, das Unternehmen auch ohne komplette Standort-Aufgabe bis Ende 2003 wieder in die Gewinnzone zurückführen zu können. 2 Mrd. Euro will er in dieser Zeit durch niedrigere Kosten und höhere Erträge erlösen. Bei den Automobilfabriken sieht er eine optimale Werksgröße bei 250 000 bis 300 000 produzierten Autos pro Jahr. Produktionsstätten, die oberhalb dieses Bereichs liegen (etwa Antwerpen), sollen auf das niedrigere Niveau zurückgeführt werden. Opel erreiche auf diesem Weg eine "effiziente Investitionsgestaltung". Andere Unternehmen arbeiten mit größer angelegten Fabriken: Ford hält eine Obergrenze von 400 000 Autos pro Jahr für optimal.

Aus Sicht Forsters ist Opel auf gutem Weg, mit der GM-Europazentrale in Zürich besser zusammenzuarbeiten. "Blockaden wollen wir nicht wieder aufkommen lassen", betont er. In den vergangenen Jahren war es wegen Kompetenzstreitigkeiten wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen Opel-Rüsselsheim und GM-Zürich gekommen. Forster will allerdings dort sparen, wo Aufgaben in Deutschland und in der Schweiz doppelt besetzt sind.

Einsparungsmöglichkeiten sieht er in den Bereichen Vertrieb, Personal und Finanzen. Profitieren würde davon wahrscheinlich Opel in Rüsselsheim. Die komplette Markenverantwortung für Opel ist beispielsweise wieder in der hessischen Industriestadt nahe Frankfurts angesiedelt. Gleichwohl glaubt Forster an die Notwendigkeit einer europäischen GM-Zentrale: "Die Auflösung von Zürich sehe ich nicht am Horizont."

"Grundsanierung" hat Priorität

Forster erteilt einer neuen Globalisierungsstrategie der Marke Opel eine Absage. "Wir können nicht alles gleichzeitig machen", betont er. Das Unternehmen müsse jetzt erst einmal mit Vorrang die Grundsanierung an seinem Heimatstandort betreiben. Insbesondere für einen Export in die Vereinigten Staaten sieht er derzeit keine große Chance. "Der Aufbau der Marke auf dem amerikanischen Markt kostet ein wahnsinniges Geld", das Opel im Moment nicht habe.

Das Rüsselsheimer Unternehmen müsste gleich mit zwei oder drei Modellen auf dem US-Markt starten. Andernfalls lohne sich ein Einstieg nicht. Forster deutete an, dass vielleicht an den Verkauf von Opel-Technik in die USA gedacht werden könnte. Insbesondere die Arbeitnehmerseite des Unternehmens hatte einen US-Export vorgeschlagen, um die Werke in Europa besser auszulasten, die am stärksten von der schwachen Nachfrage betroffen sind.

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Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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