Komplexer Fuzeon-Herstellungsprozess
Roche verlangt Rekordpreis für HIV-Medikament

Der Schweizer Pharmakonzern Roche verlangt für sein neues Aids-Medikament Fuzeon einen rekordhohen Preis von 52 Euro pro Tagesdosis und begründet dies mit hohen Kosten für Entwicklung und Herstellung des Medikaments. Fuzeon soll bei Patienten eingesetzt werden, die eine Resistenz gegen andere HIV/Aids-Präparate entwickelt haben.

Reuters LONDON/BASEL. Zunächst wird das Medikament, das noch nicht offiziell zugelassen ist, nur Patienten in EU-Ländern zu Verfügung stehen. Pro Jahr belaufen sich die Kosten nach weiteren Roche-Angaben vom Montag auf 18 980 Euro (rund 25 900 Franken). Das ist mehr als Doppelte dessen, was die auf dem Markt befindlichen Aids-Medikamente kosten.

Der komplexe Herstellungsprozess für Fuzeon umfasst nach Roche-Angaben über 100 Produktionsschritte. David Reddy, Chef des HIV-Geschäftes bei Roche, sagte zu Reuters, die Entwicklung von Fuzeon habe ohne Vermarktungsaufwendungen 840 Millionen sfr gekostet. In den USA soll Fuzeon etwa gleich viel kosten wie in Roche rechnet mit der Marktzulassung des zusammen mit der US-Biotechnologiefirma Trimeris entwickelten Medikaments in den USA und Europa im März. Fuzeon soll für Roche mit einen jährlich Umsatz von bis zu einer Milliarde sfr zu einem so genannte Blockbuster-Produkt werden.

Für Patrick Burgermeister, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, lag der Preis deutlich über den Erwartungen. Er zeige, dass die beschränkte Menge, die produziert werden könne, in den Industrieländern zu einem möglichst hohen Preis abgesetzt werden solle. Laut Lehman Brothers, die mit einem Verkaufspreis von 15.000 Euro pro Jahr gerechnet hatten, könnten die Umsatzerwartungen für Fuzeon angehoben werden.

Fuzeon, das früher T-20 hiess, ist das erste Präparat einer neuen Generation von Medikamenten, die "Fusionshemmer" genannt werden. Diese verhindern das Eindringen des HI-Virus in die menschliche Immunzelle. Bisherige Aids-Medikamente wirken im inneren der Zelle oder verhindern, dass sich der HI-Virus aus den verschiedenen Proteinfragmenten zusammensetzt (Protease-Hemmer).

Reddy sagte, wegen der hohen Herstellungskosten sei für Fuzeon nie eine Verwendung in Afrika in Betracht gezogen worden. Afrika ist der von Aids am schlimmsten betroffene Teil der Welt. Der Verkaufspreis sei angesichts der Investitionen und der von Roche zu tragenden Risiken angemessen.

Roche und andere Pharmakonzerne hatten sich in den letzten Jahren dem Druck von Hilfsorganisationen gebeugt und die lebensverlängernden Aids-Medikamente für afrikanische und andere arme Länder gesenkt. Roche erklärte Mitte Februar, das Präparat Viracept werde in bestimmten Entwicklungsländern künftig zum Selbstkostenpreis abgegeben.

An der insgesamt schwachen Börse sanken die Roche-Genussscheine bis gegen 11:30 Uhr um 2,9 Prozent auf 81,85 Franken. Der DJ StoxxHealthcare-Index lag 0,8 Prozent im Minus.

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