Komplizierte Finanzströme der Terror-Organisationen
BND rechnet mit Terror-Anschlägen in Deutschland

Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist tief besorgt: Sein Präsident August Hanning lässt keinen Zweifel daran, dass er mit weiteren Anschlägen der islamistischen Terroristen möglicherweise sogar in Deutschland rechnet.

ddp MÜNCHEN. Bei einem internationalen Symposium des BND machte Hanning am Donnerstag in Pullach bei München klar, dass die Strukturen der Gefolgsleute des Top-Terroristen Osama bin Ladens auch in der Bundesrepublik "noch längst nicht durchschaut werden konnten". Hanning ist überzeugt davon, dass sich bin Laden in Afghanistan befindet. Die Terrorismusexperten aus verschiedenen Ländern gingen bei dem Forum davon aus, dass es länger dauern werde, "bis das Problem bin Laden gelöst werden kann".

Bin Ladens Netzwerk umfasst bis zu 20 000 Personen

Das Netzwerk der Anhänger bin Ladens, die sich auf den "heiligen Krieg" in den afghanischen Ausbildungslagern vorbereitet haben, wird weltweit auf bis zu 20 000 Personen geschätzt. Der BND-Präsident hofft, dass die Anschläge in den USA vom 11. September aufgeklärt werden können, wenn es gelingt, die illegalen Finanzströme der Terroristen zu durchleuchten. Ihre Geldquellen lägen zum großen Teil in den arabischen Ländern, hieß es.

Das Terror-Netzwerk Al-Qaida beziehe darüber hinaus sein Geld auch aus einem "Mixtum" anderer Quellen. Die Organisation arbeite "äußerst konspirativ". Es würden sogar Banken zur Geldwäsche eingeschaltet, ohne dass diese es selbst bemerkten. Auch Steueroasen würden bei der globalisierten Geldwäsche von den Terroristen benutzt.

Hanning vertrat den Standpunkt, dass die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden "grundsätzlich verbessert werden muss". Ein Anfang sei mit einer Arbeitsgruppe von Bundeskriminalamt (BKA), Verfassungsschutz und BND gemacht. Dort würden alle Erkenntnisse zusammengeführt und ausgewertet. Wie die anderen Experten meinte auch Hanning, es müsse alles versucht werden, in die terroristischen Strukturen einzudringen.

Die Bundesregierung will im Kampf gegen den Terrorismus alles daran setzen, den Missbrauch internationaler Finanzsysteme einzudämmen. Dabei werde sie eine führende Rolle übernehmen, sagte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Caio Koch-Weser, auf dem Symposium. Er wies darauf hin, dass Deutschland ein «Durchleiteland» für illegale Gelder sei. Besonders der elektronische Geldverkehr eigne sich für die Geldwäsche. Nach Angaben Koch-Wesers haben die G7-Staaten seit den Anschlägen in den USA 100 Millionen US-Dollar eingefroren. Besonders über so genannte Schatten-Banker laufe das Geld Bin Ladens.

Bin Laden verfügt über milliardenschweres Budget

Der Linzer Terrorismusexperte Friedrich Schneider verwies darauf, in welchem "geschickten Ausmaß" sich das Terrorsystem bin Ladens unerkannt mit Geld versorgen kann. Die Methoden seien "sehr kompliziert". Schätzungen gehen davon aus, dass bin Laden über ein Budget von etwa fünf Milliarden US-Dollar verfüge.

Sein Jahresbudget liege zwischen zwanzig und fünfzig Millionen US-Dollar. Andere Experten erläuterten, dass Anschläge der Islamisten "eigentlich" relativ wenig Geld kosteten. So sei errechnet worden, dass die Terroraktionen gegen die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi "wahrscheinlich nicht mehr als 100.000 US-Dollar gekostet haben".

Der französische Terrorismusexperte Jean-Louis Bruguiere beklagte vor den rund 200 Experten juristische Mängel in seinem Land bei der Terrorismusbekämpfung. Auch das Bankgeheimnis behindere den Kampf gegen die Terroristen. Bruguiere forderte eine bessere Zusammenarbeit der internationalen Nachrichtendienste. Mark Galeotti von der britischen Universität Keele wies auf Verbindungen bin Ladens zu den russischen organisierten Kriminellengruppen hin.

Zwar sei darüber noch nicht viel bekannt. Es stehe aber fest, dass es "beratende Dienste der russischen Organisierten Kriminalität für bin Laden gibt". Russland sei schlechthin eine "Zentrale" für die globale Geldwäsche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%