Kompliziertes Regelwerk
Viele Privatanleger meiden die Riester-Produkte

Die Aktienbaisse erschwert den Abschluss von Fondsverträgen. Zudem sind vielen Anlegern die Vorteile der Förderung noch unklar.

cpi FRANKFURT/M. Der Namensgeber ist bereits abgetreten von der politischen Bühne, doch der größte Erfolg des ehemaligen Arbeitsministers Walter Riester fehlt mittlerweile in kaum einem Bankenschaufenster. "Jetzt Riester-Förderung mitnehmen" ist dort zu lesen, doch trotz staatlicher Unterstützung ist der Absatz von subventionierter Privatvorsorge bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

"Die Riester-Förderung hat bisher nur einen Bruchteil der Berechtigten erreicht", sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). Nur 15 000 Arbeitnehmer schlossen nach BVI-Informationen in den ersten drei Monaten einen Riester-Fondsvertrag ab, insgesamt sind es knapp 230 000. "Wir haben mit deutlich mehr gerechnet, doch die Aktienbaisse hat den Abschluss von Riester-Fondsverträgen zusätzlich erschwert", sagt Seip. Nach Informationen des Gesundheitsministeriums wurden bis Ende März 3,56 Millionen Riester-Anträge gestellt, 19,6 Millionen Arbeitnehmer haben dem Ministerium zufolge die Chance, einen Riester-Vertrag abzuschließen.

Die Zurückhaltung der Arbeitnehmer mag verwundern, zumal nach einer Umfrage des Magazins der Fonds nur zwei Prozent aller Deutschen die staatliche Rente für sicher halten. Dennoch meiden noch immer vier von fünf Förderungsberechtigte Riester-Produkte. "Das Regelwerk ist unendlich kompliziert", sagt Siegfried Utzig vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). Studien zeigen zudem, dass noch große Unsicherheit beim Thema Riesterrente herrscht. Der Vorteil der nachgelagerten Besteuerung etwa scheint vielen Anlegern unklar zu sein.

Einen weiteren Grund sieht Utzig darin, dass Arbeitnehmer im Gegensatz zur Betriebsrente selbst die Initiative ergreifen müssen. "Vielen fehlt jedoch noch immer das Bewusstsein für die Bedeutung einer privaten Altersvorsorge", sagt er.

Vom Kauf eines Riester-Produktes halten nach Seips Auffassung vor allem eine Vielzahl bürokratischer Regelungen ab. "Ein 60-Jähriger hat das angesparte Geld aus der Riesterrente nicht zur freien Verfügung", sagt Seip, "deshalb ziehen viele Anleger andere Sparmöglichkeiten vor." Die meisten Anbieter von Rentenfonds bieten am Ende der Laufzeit eine Wahl zwischen Einmal- und Rentenzahlung an. Bei der Riesterrente dürfen höchsten 20 Prozent sofort ausgeschüttet werden.

Dennoch sind sich die Experten einig, dass mit der Riester-Förderung ein guter Ansatz in Richtung private Altersversorgung erreicht ist. "Aber das kann nur ein erster Schritt sein", sagt Utzig. Seip rät trotz aller Kritik dazu, die staatliche Förderung bereits mitzunehmen. "Die Nachsteuerrendite kann im zweistelligen Bereich und damit deutlich höher liegen als bei herkömmlichen Fondsangeboten." Je niedriger das Einkommen sei und je mehr Kinder der Anleger habe, desto höher sei die Förderung. Der BVI-Geschäftsführer rät, trotz möglicher Reformen der Riester-Produkte bereits jetzt Geld anzulegen. "Wer jetzt, bei dem aktuell günstigen Kursniveau an den Börsen einen Vertrag abschließt, ist sicher nicht schlechter dran als jemand, der wartet."

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