Kompromiss über Stammzellen-Import gesucht
US-Spezialist will Menschen schaffen

Im Streit über den Import embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken wird nach einem Kompromiss gesucht, der bei der Bundestagsabstimmung am 30. Januar eine breite Mehrheit finden könnte. Der US-Spezialist Panos Zavos hat unterdessen in einem Interview die Erzeugung geklonter Menschen angekündigt.

ap FRANKFURT/MAIN. Laut "Bild am Sonntag" möchte er in ein bis drei Monaten "den ersten geklonten Embryo vorstellen", der in einen Mutterleib eingesetzt werden und zu einem Menschen heranwachsen kann. Zavos gab an, es wäre für ihn kein Problem, bis zu 3 000 Menschen im Jahr zu klonen. Er wolle Menschen helfen, "biologische Kinder zu bekommen", und habe schon Anfragen von über 3 000 Paaren.

Zavos betonte, er sei nur an der Reproduktion von Menschen interessiert und nicht an der Produktion von Stammzellen für Forschungszwecke. Von der Nutzung von Stammzellen aus schon im Anfangsstadium getöteten Embryonen erhofft man sich Fortschritte bei der Behandlung von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und Diabetes.

Politiker von SPD und Union sowie Grünen sind für ein Einfuhrverbot solcher Stammzellen, das mehr oder minder große Ausnahmen zulassen soll. Deutsche Wissenschaftler warten schon auf den Beginn von Lieferungen.

Der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, forderte am Sonntag eine radikale Absage an die Forschung mit embryonalen Stammzellen, deren Gewinnung in Deutschland verboten ist. Er schränkte aber ein, ein totales Einfuhrverbot wäre verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar. Die Regelung müsse aber wesentlich restriktiver ausfallen als die Empfehlung des Nationalen Ethikrats.

Rüttgers: "Keine weitere Tötung von Embryonen"

Margot von Renesse (SPD) erwartet laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung", dass der Bundestag sich an den Zwischenbericht der von ihr geleiteten Enquete-Kommission halten werde, der eine Begrenzung der Einfuhr auf bereits existierende Zelllinien vorsehe. Auch der frühere Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) verlangte in dem Blatt, man dürfe nur Forschung mit Stammzellen zulassen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits existiert hätten. Es dürfe keine weitere Tötung von Embryonen verursacht werden.

Der frühere Gesundheitsminister Horst Seehofer wirbt laut "Welt am Sonntag" in Übereinstimmung mit dem Nationalen Ethikrat dafür, dass für die Forschung nur Stammzellen verwendet werden, die bei künstlichen Befruchtungen übrig geblieben seien und sonst wohl weggeworfen würden. Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche, Manfred Kock, warnte im Saarländischen Rundfunk vor Versprechungen, dass die Forschung mit embryonalen Stammzellen den Durchbruch zur Heilung schwerer Krankheiten bringen werde.</ü>

Embryonale Stammzellen für Forschung nicht zwingend notwendig

Die frühere Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) erklärte am Sonntag, embryonale Stammzellen seien nicht zwingend erforderlich, denn man sei bei der Forschung mit adulten Stammzellen – die auch aus Erwachsenen entnommen werden können – auf einem erfolgreichen Weg. Der frühere CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble lehnte in der "Rheinischen Post" ein Importverbot ab. Eine zu starke Reglementierung der Forschung "würde sowieso nicht funktionieren", meinte er.

Laut "Spiegel" erklärte der Neurophysiologe Jürgen Hescheler von der Universität Köln, falls der Import zugelassen werde, würden binnen weniger Tage erste Stammzellen aus Israel nach Köln geschickt. Es gebe ein Kooperationsabkommen mit der Technion-Universität Haifa. Eine deutsch-israelische Forschungsstiftung will dem Blatt zufolge Geld dafür bereitstellen. Bei einer Umfrage sprachen sich laut "Welt am Sonntag" 68 % von 1 000 Befragten gegen eine Zulassung des Menschen-Klonens zu therapeutischen Zwecken in Deutschland aus.

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