Konferenz in Bonn
Taliban in Kundus wollen sich ergeben

Nach tagelanger Belagerung und amerikanischen Luftangriffen wollen sich die Taliban und ihre ausländischen Mitkämpfer in der nordafghanischen Stadt Kundus ergeben. Das meldete der US-Fernsehsender CNN am Mittwochabend.

dpa WASHINGTON/ISLAMABAD. Einer der Talibanführer habe die Kapitulation bei den Verhandlungen mit dem Nordallianz-General Abdul Raschid Dostum in Masar-i-Scharif angekündigt, berichtete CNN-Korrespondent Alessio Vinci aus der Stadt. Details würden noch ausgehandelt. Der arabische Fernsehsender El Dschasira zitierte Dostum mit den Worten, alles werde nun ohne Blutvergießen gelöst werden.

CNN berichtete weiter, der Talibanvertreter habe die Kapitulation sowohl der afghanischen als auch der ausländischen Kämpfer zugesagt. Die Afghanen sollten die Möglichkeit erhalten, die Seiten zu wechseln. Wo die anderen Kämpfer ihre Waffen abgeben sollen und was mit ihnen passieren soll, blieb zunächst unklar. Den ausländischen Kämpfern sollte nach ersten Angaben in Afghanistan der Prozess gemacht werden.

Nach Angaben von El Dschasira nahm der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi Kontakt mit dem Chef der Nordallianz, Burhanuddin Rabbani, auf. Gaddafi habe angeboten, über die humanitäre Organisation seines Sohnes Saif el Islam arabische und nicht- arabische Kämpfer aufzunehmen. Taliban-Milizionäre sollten als Kriegsgefangene unter UN-Aufsicht behandelt werden, habe Gaddafi gefordert.

Kundus ist neben Kandahar die letzte große Bastion der Taliban in Afghanistan. Dort sollen bis zu 30 000 Talibankämpfer und ihre Verbündeten aus arabischen Ländern, Pakistan und Tschetschenien eingeschlossen sein. Die Stadt wird seit Tagen von der Nordallianz belagert und der US-Luftwaffe bombardiert.

Die Taliban zeigen sich unterdessen fest entschlossen, Kandahar im Süden Afghanistans zu verteidigen. "Wir werden unsere Nation und Religion verteidigen, solange wir leben", gelobte der Sprecher des obersten Talibanführers Mullah Omar, Sjed Tajad Agha, in der südostafghanischen Stadt Spin Boldak. Mit Blick auf Kandahar sagte er: "Wir haben dort genügend Leute, um die Stadt und die umgebenden Ortschaften zu verteidigen."

Auf die Frage nach dem Verbleib des Terroristenführers Osama bin Laden sagte Agha, man habe darüber keine Informationen. Es gebe keine Nachrichtenverbindung zu ihm. Der Innenminister der Nordallianz, Junis Kanoni sagte nach Angaben von El Dschasira, Bin Laden halte sich derzeit weiter in Taliban-kontrolliertem Gebiet in Afghanistan auf. Ab und zu reise Bin Laden nach Pakistan, wo er über mehrere Verstecke verfüge.

Zu der geplanten Friedenskonferenz in Deutschland sagte der Sprecher von Mullah Omar, die Taliban würden an keiner Friedenskonferenz außerhalb ihres Landes teilnehmen. Zwischen 50 und 70 Delegierte der anderen Fraktionen wollen ab Montag auf dem Petersberg bei Bonn den Rahmen für eine Friedenslösung abstecken. Der Delegation der Nordallianz wird nach Angaben von Kanoni "mindestens eine Frau" angehören. Ursprünglich war Berlin als Tagungsort genannt, aber dann offensichtlich aus Sicherheitsüberlegungen verworfen worden.

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