Konferenz sagt weitere Hilfe zu
Karsai: Armee wird aufgebaut

Mit dem zügigen Aufbau einer nationalen Streitmacht sollen in Afghanistan die Voraussetzungen für einen sicheren und stabilen Wiederaufbau geschaffen werden. Der afghanische Präsident Hamid Karsai kündigte dies auf der internationalen Afghanistan-Konferenz am Montag auf dem Petersberg bei Bonn als wichtigstes nächstes Ziel seiner Übergangsregierung an.

HB/dpa BONN. Ein entsprechendes Dekret habe er soeben unterzeichnet. Ein Jahr nach den Petersberger Beschlüssen zum Wiederaufbau sagte die internationale Gemeinschaft weitere Unterstützung zu, forderte zugleich aber auch eigene Anstrengungen der Regierung in Kabul.

Der Wiederaufbau und die Befriedung des weiter von Kämpfen heimgesuchten Landes sei eine "langwierige Aufgabe, die uns allen Geduld und nachhaltiges Engagement abverlangt", betonte Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Auftakt der Folgekonferenz vor Delegierten aus 32 Ländern. Er rief die Parteien und Volksgruppen auf, Zwietracht und Machtkämpfe zu überwinden. In der neuen Verfassung müsse die Unabhängigkeit der Justiz, die Gleichberechtigung aller Volksgruppen und der Frauen verankert werden. "Sie können sich auf unsere Solidarität und Hilfe verlassen", sagte Schröder.

Bundesaußenminister Joschka Fischer, der die Konferenz leitete, sagte: "Es geht hier um nichts Geringeres als um den Kampf der zivilisierten Welt gegenüber dem internationalen Terrorismus." Ohne internationale Hilfe werde Karsai seine Arbeit nicht zu Ende führen können, unterstrich Fischer. "Afghanistan muss weiter ganz oben auf unserer Prioritätenliste stehen." Noch sei die Gefahr islamistischen Terrors in Afghanistan nicht gebannt. In die Befriedungs- und Wiederaufbaustrategie müssten auch die Provinzen einbezogen werden. Die Afghanen selber "müssen ihrer Nation wieder ein Gesicht geben", sagte Fischer. Zugleich sei die Staatengemeinschaft entschlossen, den Friedensprozess zu einem internationalen Erfolg werden zu lassen.

Die neue Nationalarmee werde "klein, effektiv und gut bezahlt sein" sowie unter ziviler Kontrolle stehen, sagte Karsai. Im Gespräch waren etwa 70 000 Soldaten. Nach Worten des UN-Sonderbeauftragten für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, ist der Aufbau nationaler Sicherheitskräfte eines der wichtigsten Projekte, um Vertrauen in die Regierung zu schaffen.

Fischer nannte eine nationale Armee einen "entscheidenden Beitrag" für Frieden und Stabilität. Zugleich bekräftigte er, es werde keine Ausweitung des Mandats der internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) über die Region Kabul geben. Es gebe aber andere Überlegungen.

Bis Ende 2003 soll die Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) nach Worten Karsais die neue Verfassung ratifizieren. "Administrative und finanzielle Reformen werden einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung von Sicherheit leisten", sagte Karsai. Wichtig sei aber auch die Schaffung einer vertrauenswürdigen nationalen Polizei.

Eine Fachtagung mit afghanischen und internationalen Experten legte der Konferenz eine Empfehlung für eine demokratische Verfassung vor, die auch islamische Werte und Traditionen der Stammesgesellschaft einbezieht. Besonders müsse der Zugang der Frauen zum politischen und wirtschaftlichen Leben sowie die Pressefreiheit gesichert werden. Unter den Afghanen selbst gab es aber heftigen Streit, inwieweit das islamische Recht, die Scharia, in der Verfassung verankert werden soll.

Als weitere zentrale Aufgaben bis zu den geplanten freien Wahlen im Jahr 2004 nannte Karsai die Entwaffnung früherer Mudschaheddin-Kämpfer sowie einen entschlossenen Kampf gegen den Drogenanbau und Korruption. Der Beauftragte für die EU-Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, sagte Afghanistan Unterstützung der Europäischen Union im Kampf gegen Drogenanbau zu.

An der Konferenz nahmen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen unter anderem die Außenminister der Nachbarstaaten Afghanistans sowie der USA, Russlands, Japans und der europäischen Staaten teil. Am Rande gab es eine Demonstration der afghanischen Exiljugend, die friedlich verlief.

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