Konflikt bahnt sich an
Erste Kritik am Lufthansa-Sparprogramm

Lufthansa-Chef Jürgen Weber fordert als Reaktion auf die Krise harte Sparmaßnahmen. Sein Vorstoß für eine Vier-Tage-Woche bei der größten deutschen Airline stößt im Betriebsrat jedoch auf Kritik. Für die Schäden durch den Terroranschlag fordert Weber eine staatliche Kompensationszahlung von 180 Millionen Euro.

huh/ebe BERLIN/DÜSSELDORF. Zwischen Lufthansa-Chef Jürgen Weber und dem Betriebsrat bahnt sich ein Konflikt um die Vier-Tage- Woche an, mit der Weber auf den drastischen Einnahmeeinbruch in der Luftfahrt seit den Terroranschlägen reagieren will. "Der Vorschlag überzeugt uns bisher nicht", sagte am Montag der Vorsitzende des Lufthansa-Konzernbetriebsrats, Franz-Eduard Macht.

"Vier-Tage-Woche kann kein Modell für Lufthansa sein"

Weber habe bisher nicht erläutert, wie er sich eine Vier-Tage-Woche bei der Lufthansa vorstelle. "Eine solche Arbeitszeitverkürzung ist in den operativen Bereichen am Boden überhaupt nicht drin", kritisierte der Betriebsratschef. Am Flughafen Frankfurt beispielsweise sei schon jetzt der Personalbedarf nicht gedeckt. Daran ändere auch der Passagierrückgang seit dem 11. September nichts. Macht: "Wir brauchen dieselbe Crew, egal ob 50 oder 200 Fluggäste abgefertigt werden".

Die Vier-Tage-Woche in einem Produktionsbetrieb wie VW könne deshalb kein Modell für die Deutsche Lufthansa sein. Der Wolfsburger Autokonzern hatte Mitte der neunziger Jahre mit Zustimmung der IG Metall in seinen Werken die Vier-Tage-Woche eingeführt, um Entlassungen zu vermeiden.

Ähnliches plant nun Lufthansa - Chef Weber. Die Gehälter der Beschäftigten sollen entsprechend gekürzt werden. Nach Angaben Webers musste die Lufthansa allein in den ersten sechs Tagen nach den Anschlägen auf das World Trade Center sowie auf das Pentagon Einbußen von 80 Mill. Euro verkraften. Anschließend seien pro Woche 50 Mill. Euro hinzu gekommen. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gestern einen Bericht des "Wall Street Journal Europe", wonach die Lufthansa deshalb bei der Bundesregierung eine Kompensationszahlung in Höhe von 180 Mill. Euro beantragen will.

Optimierungsplan wurde ausgeweitet

Als weitere Reaktion auf die Krise hat der größte deutsche Luftfahrtkonzern auch seinen Optimierungsplan "D-Check" ausgeweitet und um ein Kostensenkungsprogramm namens "D-Check akut" ergänzt. Laut Mitarbeiterzeitschrift "Lufthanseat" werde künftig "strengste Kostendisziplin von allen Mitarbeitern" erwartet. Darüber hinaus sollen alle Aktivitäten, die die Liquidität belasten, "auf das unbedingt Erforderliche reduziert werden".

Als nahezu einzige renommierte Airline hat Lufthansa bisher auf Entlassungen verzichtet. Bei der neuen Diskussion um die Vier-Tage-Woche haben jedoch alle Beteiligten das Wort Entlassungen im Hinterkopf. Komme es nicht zu einer Einigung, hieße dies "Kurzarbeit, Kündigungen, teure Sozialpläne", hatte Weber angekündigt.

Gewerkschaft muss der Vier-Tage-Woche zustimmen

Neben dem Lufthansa-Betriebsrat äußerte sich auch die Gewerkschaft Verdi zurückhaltend. Sie muss der Vier-Tage-Woche zustimmen, da diese sonst gegen den Tarifvertrag verstößt. "Im Moment halten wir eine Arbeitszeitverkürzung mit Gehaltsverzicht noch nicht für notwendig", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Zunächst müssten alle innerbetrieblichen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Dazu zähle Verdi den Abbau von Überstunden, das Vorziehen von Urlaub und notfalls Kurzarbeit.

Für solche Maßnahmen plädiert auch Betriebsratschef Macht. Wie schon in der Lufthansa-Krise vor zehn Jahren werde sich die Belegschaft für das Überleben ihres Unternehmens einsetzen und auch Verzicht üben. Dazu zählt Macht den bereits erklärten Verzicht auf Höhergruppierungen und Neueinstellungen. Opfer müssten aber von allen Beschäftigten getragen werden, sagte er mit Blick auf die Lufthansa-Piloten. Diese waren wegen ihrer weit überdurchschnittlichen Gehaltsforderungen innerbetrieblich in die Kritik geraten.

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