"Konflikt schon in den Köpfen der Verbraucher"
Irak-Krise trübt Aussichten der Reisebranche

Der drohende Irak-Krieg trübt bereits jetzt die Aussichten der angeschlagenen deutschen Reisebranche. "De facto ist der Konflikt in den Köpfen und im Verhalten der Verbraucher schon da", sagte der Vorstandschef des zweitgrößten Touristikkonzerns Thomas Cook, Stefan Pichler.

HB/dpa FRANKFURT. Buchungen gingen weiter verhalten ein. Marktführer Tui hält eine Geschäftsprognose 2003 für derzeit nicht möglich. "Niemand weiß wie lange so ein Krieg dauert und welche Folgen er haben wird", sagte Vorstandschef Michael Frenzel der "Welt am Sonntag".

Thomas Cook könne eine längere schwierige Phase dank bereits eingeleiteter Kostensenkungen verkraften, sagte Pichler. Gegengesteuert werde mit einer Verringerung der Flug- und Hotel- Kapazitäten. Zusammen mit der Zentralisierung und Auslagerung von Konzernfunktionen sollen Einsparungen von 100 Millionen Euro erarbeitet werden. Auch Tui hat sich nach den Worten Frenzels mit einem Kostensenkungsprogramm von 111 Millionen Euro vorbereitet.

In vier oder sechs Wochen werde mehr Klarheit über die Entwicklung im Irak herrschen, sagte Frenzel. Wenn es keinen Krieg geben sollte, würde er von vier bis fünf Prozent Wachstum in diesem Jahr ausgehen. Auch Pichler hatte vor der Eskalation des Konflikts ursprünglich drei bis vier Prozent Plus im europäischen Markt erwartet.

Bei Thomas Cook mit der Hauptmarke "Neckermann" liegen die Buchungen für die Wintersaison in den europäischen Märkten leicht über dem Vorjahresniveau, das aber stark von den Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 getroffen war. Für den Sommer seien die Buchungen derzeit leicht rückläufig, sagte Pichler. Er bekräftigte das Ziel, in diesem Jahr eine "Schwarze Null" beim Ergebnis nach Steuern zu erreichen. Für das Reisejahr 2001/2002 rechnet die Lufthansa-Karstadt-Tochter unter dem Strich mit einem Verlust.

Wegen geringer Wachstumschancen für die klassische Pauschalreise in der Sonne kündigte Pichler eine stärkere Ausrichtung von Thomas Cook auf flexiblere Urlaubsangebote und neue Märkte in Asien an. Bis zum Jahr 2007 sollen nicht mehr nur vier, sondern 20 Prozent der Veranstalterumsätze außerhalb der europäischen Kernmärkte erzielt werden. Vor allem in Indien, China und Thailand gebe es große Wachstumspotenziale. Um den Kundenbedürfnissen nach mehr Abwechslung und Extras im Urlaub Rechnung zu tragen, soll der Anteil spezieller und kombinierbarer Reiseangebote von 10 auf 40 Prozent wachsen.

Tui-Chef Frenzel sagte, beim Umbau des ehemaligen Industrie- Unternehmens Preussag zum Touristikkonzern bleibe nicht mehr viel zu tun. "Wir trennen uns noch von dem in England angesiedelten Metallhandel - das war's dann im Wesentlichen." Auf die Touristik- Sparte würden dann gut 75 Prozent des Konzernumsatzes entfallen. Die Logistiktochter Hapag-Lloyd solle nicht verkauft werden. Die Logistik sei ertragsstark und erfordere keine hohen Investitionen.

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