Konflikt um 35-Stunden-Woche
Ost-Metaller legen Arbeit nieder

Mit einer ersten Serie von Warnstreiks hat die heiße Phase im Tarifkonflikt der ostdeutschen Metallindustrie begonnen. In Thüringen und Sachsen legte die IG Metall am Montag die Produktion in mehreren Autowerken von VW und Opel zeitweise lahm. Damit wollte sie der Forderung nach Einführung der 35-Stunden-Woche im Osten Nachdruck verleihen.

HB/dpa BERLIN/ZWICKAU. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich an den Protesten mehrere tausend Beschäftigte. Die Arbeitgeber lehnten eine kürzere Arbeitszeit weiterhin strikt ab. Nächste Woche wollen sich beide Seiten wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Zu Beginn der Proteste legten im Opel-Werk Eisenach rund 350 Beschäftigte der Nachtschicht die Arbeit nieder. Im Laufe des Tages wurden dann auch VW-Fabriken in Chemnitz, Zwickau und Dresden bestreikt. Auch in anderen Betrieben kam es zu Arbeitsniederlegungen. Am Dienstag soll es erste Warnstreiks in Brandenburg geben, am Mittwoch in Berlin, am Donnerstag in Sachsen-Anhalt. In Mecklenburg- Vorpommern soll es in dieser Woche dagegen ruhig bleiben. Die Friedenspflicht in der Branche ist seit dem 30. April vorbei.

Hintergrund des Konflikts ist die Forderung der IG Metall nach schrittweiser Einführung der 35-Stunden-Woche in den neuen Ländern. Derzeit arbeiten die 310 000 Ost-Metaller bei nahezu gleichem Gehalt drei Stunden länger als ihre West-Kollegen. IG- Metall-Bezirkschef Hasso Düvel sagte auf einer Kundgebung in Zwickau: "Es geht um die Schließung einer Gerechtigkeitslücke. Es gibt keinen Grund mehr, die Lohnangleichung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben."

Die Arbeitgeber fürchten dagegen, dass vor allem kleinere Ost- Betriebe eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit nicht verkraften. Die zusätzlichen Lohnkosten bei Einführung der 35-Stunden-Woche beziffern sie auf 8,6 %. Damit ginge der wichtigste Standortvorteil im Osten verloren, warnte Gesamtmetall. Der sächsische Verbandschef Bodo Finger sagte am Montag: "Wir richten uns auf einen langen Arbeitskampf ein."

Im bisherigen Verlauf des Tarifkonflikts waren neun regionale Verhandlungsrunden ohne Fortschritt geblieben. Am 12. oder 14. Mai wollen IG Metall und Arbeitgeberverband Gesamtmetall nun erstmals zentral für den gesamten Osten verhandeln. Bei der Gewerkschaft soll Düvel die Verhandlungen führen, bei den Arbeitgebern ist Finger als Verhandlungsführer im Gespräch.

Parallel dazu laufen bei der Gewerkschaft bereits die Vorbereitungen für die Urabstimmung über einen Arbeitskampf. Bei einer Zustimmung der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer könnte ein Streik dann Anfang Juni anlaufen. Im Gegenzug hat Gesamtmetall bereits mit Aussperrungen gedroht.

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