Konfliktparteien im Nahen Osten um Entspannung bemüht
Israel hebt Blockaden teilweise auf

Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern haben sich am Freitag beide Seiten um Entspannung bemüht.

afp JERUSALEM. Israel hob nach eigenen Angaben am Freitagmorgen die Straßensperren im Gazastreifen wieder auf; dies geschah den Palästinensern zufolge jedoch nicht vollständig. Mit der Maßnahme solle die schwierige Lage der palästinensischen Bevölkerung abgemildert werden, sagte ein Armeesprecher. Augenzeugen zufolge entfernte die Armee Betonsperren und zog Panzer ab. Die israelische Regierung begrüßte den Vorstoß von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der am Vorabend ein Ende der Granatenangriffe auf israelisches Gebiet befohlen hatte. Die radikal-islamische Palästinenserbewegung Hamas kündigte hingegen an, sie werde ihren Widerstand gegen Israel "mit allen Mitteln" fortsetzen. In den Autonomiegebieten kam es zu neuen Zusammenstößen.

"Public-Relations-Trick"

Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat nannte die Aufhebung der Straßensperren einen reinen "Public-Relations-Trick". Die Armee hindere immer noch Autofahrer daran, die Kontrollposten zu passieren, der Gazastreifen sei faktisch noch immer dreigeteilt. Die Armee hatte nach ihrem Einmarsch in die autonomen Gebiete in der Nacht zum Dienstag mehrere Hauptverkehrsverbindungen blockiert und die Palästinenser dadurch in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Das Vorgehen war weltweit auf scharfe Kritik gestoßen.

Arafat habe mehreren Verantwortlichen der palästinensischen Sicherheitskräfte befohlen, nicht mehr auf israelisches Territorium und israelische Siedlungen zu schießen, teilten Palästinenservertreter am Donnerstagabend mit. Der israelische Regierungssprecher Ranaan Gissin sagte in Jerusalem, es müsse abgewartet werden, was der Appell Arafats bewirke. Nach einem Bericht der israelischen Armee feuerten Palästinenser seit Jahresbeginn 103 Mörser-Granaten auf israelische Ziele. Alle Geschosse seien aus dem Gazastreifen gekommen, drei Menschen seien dabei verletzt worden. Am Montagabend war die israelische Armee nach einem derartigen Angriff in Teile des Gazastreifens einmarschiert. Nach heftiger internationaler Kritik zogen die Soldaten einen Tag später wieder ab.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Haaretz" lehnt der israelische Regierungschef Ariel Scharon den Vorschlag Arafats ab, im Fernsehen zeitgleich mit dem Palästinenserpräsidenten zu einem Ende der Gewalt aufzurufen. Erklärungen seien keine Lösung, sagte Scharon der Zeitung zufolge. Der israelische Minister Salah Tarif sagte der Zeitung "El Sennara", zwischen Israeli und Palästinensern fänden geheime Unterredungen zur Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen statt.

Israelischer Luftangriff

Israelische Kampfflugzeuge überflogen am Freitag den fünften Tag in Folge libanesischen Luftraum und durchbrachen dabei nach libanesischen Angaben über Beirut mehrfach die Schallmauer. Am Montag hatte Israel in Libanon eine syrische Radarstation aus der Luft angegriffen.

Bei Zusammenstößen in Ramallah wurden vier Palästinenser nach Krankenhausangaben durch gummiummantelte Bleigeschosse israelischer Soldaten verletzt. In der Stadt zogen etwa tausend Palästinenser Fahnen schwenkend an eine Straßensperre der israelischen Armee. Bei Rafah im Gazastreifen wurde palästinensischen Angaben zufolge ein Journalist angeschossen, als er Schäden der jüngsten israelischen Luftangriffe dokumentieren wollte.

Die USA denken nach Angaben von Pentagon-Sprecher Craig Quigley darüber nach, die Zahl ihrer Soldaten bei der multinationalen Friedenstruppe auf der Sinai-Halbinsel zu reduzieren. Der ägyptische Präsidenten Husni Mubarak habe den Vorschlag im Gegensatz zu Scharon jedoch abgelehnt, schrieb die "New York Times".

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