Kongo-Einsatz
Der Schutz endet bei Sonnenuntergang

Der Schutz der europäischen Eingreiftruppe in Bunia endet nicht nur an der Stadtgrenze. Er hört auch mit Sonnenuntergang auf. "Wenn es Nacht wird, zittern Tausende Dorfbewohner um ihr Leben. Auch in Bunia selbst wird hemmungslos weiter geplündert und gemordet", sagt Joseph Shabani von Caritas Kongo.

HB/dpa NAIROBI. "Im Dunkeln scheren sich die Milizen nicht um die Franzosen. Sie zerren Menschen aus ihren Häusern, kidnappen, vergewaltigen, plündern." Nach der Stationierung der ersten rund 500 französischen Soldaten in der von Milizkämpfern terrorisierten Stadt in Nordost- Kongo wächst die Kritik am begrenzten Mandat der Eingreiftruppe.

Als "völlig ungenügend" bezeichnet etwa die renommierte Denkfabrik International Crisis Group (ICG) den von Frankreich angeführten Einsatz unter UN-Mandat. "Die Truppe wird lediglich als Bremsklotz begriffen, um die Situation zu kontrollieren, bis die UN-Mission verstärkt wird", sagt Francois Grignon, Regionalleiter der in Brüssel ansässigen Organisation, die den Kongo-Konflikt intensiv beobachtet. So soll die Eingreiftruppe lediglich die Distrikthauptstadt Bunia kontrollieren - und das nur bis zum 1. September.

Der Albtraum in anderen Stadtteilen geht weiter

Die von den Franzosen auf rund 15 000 Kämpfer geschätzten Milizen der verfeindeten Stämme der Hema und Lendu haben sich zum Großteil in die umliegenden Wälder zurückgezogen. "Sie können also bedenkenlos weiter die Dörfer in Angst und Schrecken versetzen, weil sie wissen: hierhin kommt die Truppe nicht", sagt Shabani. Bunia wird derzeit weiter von Hema-Milizen der von Thomas Lubanga angeführten Union Kongolesischer Patrioten (UPC) terrorisiert. "Während am militärisch kontrollierten Flughafen und auf dem UN-Gelände zwar relative Ruhe herrscht, geht der Albtraum in anderen Stadtteilen unbeirrt weiter."

Die Mörder wissen, dass die Franzosen ihnen die Gewehre, Panzerfäuste und Macheten nicht abnehmen dürfen, weil ihr Mandat das nicht vorsieht. "Wenn die Eingreiftruppe die Milizen nicht entwaffnet, dann handelt sie sich Anschuldigungen aller Gruppen ein, was wieder zu neuen Konflikten führen wird", sagt ICG-Mitarbeiter Grignon.

Die Eingreiftruppe braucht ein stärkeres Mandat

Erst am Wochenende erschossen französische Soldaten zwei Lendu- Kämpfer, die sie während einer Patrouille angegriffen haben. "Wenn die Franzosen nur das Hema-Gebiet schützen, werden sie bald als parteiisch gelten", sagt ein UN-Mitarbeiter. "Die Milizen müssten aus einem Umkreis von rund 15 Kilometern um die Stadt vertrieben werden, um Flüchtlingen Schutz und Hilfe zu sichern." Die Eingreiftruppe brauche ein stärkeres und längeres Mandat und mehr Personal, schlägt die ICG vor.

Aber selbst dann werde in der Ituri-Provinz keine Ruhe einkehren, meint der Caritas-Mitarbeiter Shabani. "Der Hass, der auch von Nachbarländern wie Uganda und Ruanda geschürt wurde, sitzt einfach zu tief." Shabani sieht einen einzigen Ausweg: "Wir brauchen zu diesem Zeitpunkt die Eingreiftruppe, um uns Atem zu verschaffen." Doch ebenso wichtig sei die internationale Unterstützung bei der Bildung einer stabilen gesamtkongolesischen Regierung. "Denn nur sie könnte die ethnischen Gruppen in Ituri an einen runden Tisch bringen."

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