Kongo verzeichnet den größten Verlust an Waldfläche
Vorsätze helfen nicht gegen Regenwald-Sterben

Zehn Jahre nach dem Umweltgipfel von Rio ist das langsame Sterben des afrikanischen Regenwaldes ungeachtet aller guten Vorsätze und Schutzprojekte nicht gestoppt.

JOHANNESBURG. Lange ist auf dem Flug von Kinshasa nach Norden nichts als bewaldete Hügel zu sehen. Keine offenen Flächen, keine Dörfer. Nur das grüne Dach des Regenwaldes, das sich wie eine dunkle Decke bis zum Horizont spannt. Doch je mehr sich der Flug dem westafrikanischen Kamerun nähert, desto öfter lassen sich am Boden Flecken ausmachen, die allmählich zu riesigen offenen Wunden werden. Es sind die Rodungsinseln der großen internationalen Holzfirmen.

Zehn Jahre nach dem Umweltgipfel von Rio ist das langsame Sterben des afrikanischen Regenwaldes ungeachtet aller guten Vorsätze und Schutzprojekte nicht gestoppt. Daran hat auch das von den Industrieländern finanzierte Programm zum Schutz des Regenwaldes trotz seiner Vorbildfunktion wenig zu ändern vermocht, bei dem Deutschland mit einem Anteil von 41 % an den Gesamtspenden von 280 Mill. Euro größter Geldgeber ist.

Noch ist der zwischen dem Kongo und Kamerun gelegene Urwald gleich hinter dem Amazonas-Raum die größte zusammenhängende Regenwaldfläche der Welt. Gegenwärtig liegen in dem Streifen zwischen Zentral- und Westafrika noch rund 20 % der weltweit verbliebenen Regenwälder. Allerdings werden davon jedes Jahr rund 4 Mill. Hektar abgeholzt. Wenn dieser Raubbau nicht umgehend stärker eingeschränkt und kontrolliert wird, dürften die 15 000 Jahre alten Wälder bis zum Jahr 2020 weitgehend verschwunden sein. Der grünen Lunge der Erde droht die Intensivstation. Die abgeholzten Flächen werden später nur selten zum Ackerbau genutzt. Oft bleiben sie brach liegen und veröden - mit verheerenden Folgen für die dort lebenden Menschen.

Kamerun ist inzwischen zum größten Holzlieferanten in Afrika geworden. 1999 produzierte die frühere deutsche Kolonie nach Angaben der International Tropical Timber Organisation fast 3 Mill. Kubikmeter Nutzholz und damit über 10 % mehr als noch drei Jahre zuvor. Das benachbarte Gabun lieferte 2,5 Mill. Kubikmeter Holz und lag damit in Afrika an zweiter Stelle.

Dramatisch könnte die Lage auch schon bald im Kongo werden. Im letzten Jahr verzeichnete der zentralafrikanische Staat den größten Verlust an Waldfläche auf dem Kontinent. Nach Plänen der kongolesischen Firmen Socebo, die von Regierungs- und Armeevertretern aus Simbabwe kontrolliert wird, sollen im Kongo mehr als 30 Mill. Hektar Regenwald abgeholzt werden - ein Areal, das größer als Deutschland und Österreich zusammen ist.

Die drohende Zerstörung eines der weltweit letzten intakten Ökosysteme hat den World Wildlife Fund (WWF) auf den Plan gerufen. Statt eine medienwirksame Kampagne zu starten, hofft der WWF, die Präsidenten der zentralafrikanischen Länder mit finanziellen Anreizen zum Einlenken zu bewegen. Besonders große Hoffnung setzt der WWF in eine neu geschmiedete Allianz mit der Weltbank. Seit einiger Zeit achtet die Washingtoner Finanzinstitution bei der Vergabe von Hilfsgeldern besonders genau darauf, ob die Nutzung der Regenwälder sich an den Kriterien der Nachhaltigkeit orientiert - oder ob die Ausbeutungslizenzen wie in der Vergangenheit von dem jeweiligen Präsidenten an persönliche Freunde und Parteigänger vergeben werden.

Besonders großes Kopfzerbrechen bereitet dem WWF das enorme Ausmaß der Korruption in der Region. Oft werden Konzessionen von einem System vergeben, in dem Firmen allein danach ausgewählt werden, welche Anreize sie den zuständigen Behörden gewähren.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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