Kongress: Zukunft der Kohle
Kraftwerksmodernisierung im liberalisierten Strommarkt

Die Signale für zukünftige Kraftwerke sind eindeutig. Das "Grünbuch" der Europäischen Union erwartet bis 2020 eine Zunahme des Stromverbrauchs von bis zu 3 % pro Jahr.

Damit werden 200 000 Mega-Watt zusätzliche Kraftwerksleistung in der EU erforderlich. Außerdem sind bis zu 200 000 Mega-Watt alte Kraftwerksleistung zu ersetzen. Auch bei geringeren Stromverbrauchszuwachsraten ist der Bedarf an Kraftwerksleistung enorm. Des Weiteren besteht die Verpflichtung von Kyoto, die CO2-Emission nachhaltig zu verringern. Vor dem Hintergrund eines liberalisierten Strommarktes in Europa und der energiepolitisch gesetzten Rahmenbedingungen gleicht das Problem einer künftigen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung dem der Quadratur des Kreises. Aber auf die sichere und bezahlbare Bereitstellung von Energie wird niemand verzichten, es sei denn, er verzichtet auf Lebensqualität, die unmittelbar von der Verfügbarkeit von Energie abhängt.

Der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland und in einigen anderen Ländern der EU ist beschlossene Sache. Den regenerativen Energieträgern wird ein "reiches Potenzial" zugemessen, wohl wissend, dass die regenerativen Energien nur einen bescheidenen Beitrag zur Energieversorgung leisten können und im größeren Umfang auch nicht bezahlbar sind. Erdgas ist trotz des hohen Preises heute attraktiv wegen der niedrigen CO2-Emission und der noch sicheren Verfügbarkeit. Erdgas wird daher seinen Marktanteil auch in der Stromerzeugung ausbauen können.

Bei einem Anteil der Kohle von knapp 30 % an der Stromerzeugung in der EU und mehr als 50 % allein in Deutschland ist es absurd, wenn man behauptet - wie vielfach geschehen -, dass die fossilen Primärenergieträger in der Stromerzeugung ein Auslaufmodell sind. Hierbei ist in erster Linie die Kohle gemeint. Wer die Bedeutung der Kohle so einschätzt, verkennt die hohe zeitliche Reichweite der weltweiten Vorkommen, die Preisgünstigkeit und die sichere Verfügbarkeit. Nicht zu vergessen ist das technische Entwicklungspotenzial zur Wirkungsgradsteigerung mit dem Ziel der CO2-Emissionsminderung. Möglicherweise gelingt auch die völlige Abscheidung von CO2 aus dem EnergieuMega-Wattandlungsprozess. Aber man bekommt dies nicht geschenkt. Die CO2-Abscheidung geht zu Lasten des Wirkungsgrades. Die Nachhaltigkeit dieser Lösung leidet, da zusätzlich wieder Brennstoff aufzuwenden ist, wodurch die Ressourcen aufgezehrt und wiederum neues CO2 generiert wird.

Aktuell bleibt zunächst die Erhöhung des Wirkungsgrades von Kohlekraftwerken. Steinkohlekraftwerke, die sich heute in der Planung befinden, können für Netto-Wirkungsgrade von 45 % ausgelegt werden. Unter bestimmten Randbedingungen - zum Beispiel Frischwasserkühlung und Sondermaßnahmen, wie zweifache Zwischenüberhitzung - können Wirkungsgrade von 47 % erreicht werden. Darüber hinaus wird an der Entwicklung von Kohlekraftwerken mit Dampfzuständen von mehr als 700oC und 300 bar gearbeitet. Hierbei sind europäische Unternehmen führend. Fortschrittliche Kohleprozesse mit Druckkohlenstaubfeuerung (DKSF) und integrierter Vergasung mit einem Gas-Dampfturbinen-Kraftwerk (IGCC) werden mittelfristig großtechnisch verfügbar sein. Mit den fortgeschrittenen Techniken sind Wirkungsgrade von deutlich mehr als 50 % erreichbar.

Zu begrüßen ist der Wettbewerb der Technologien. Der Brennstoffzelle werden mit Recht große Chancen eingeräumt, bei der Stromerzeugung einen deutlichen Marktanteil zu erobern. Die Brennstoffzelle - zusammen mit der Nutzung der regenerativen Energien - eröffnet die Option, die Stromerzeugung mehr dezentral, mit kurzen Wegen zum Verbraucher, auszurichten. Die Einbindung in die bestehenden Stromnetze mit den Großkraftwerken bleibt aber zur sicheren Bedarfsdeckung bestehen. Das virtuelle Kraftwerk ist bei dieser Entwicklungsrichtung das Ziel. Auf die konventionellen Kraftwerke wird man aber nicht verzichten können, erst recht nicht auf die mit Kohle gefeuerten Kraftwerke.

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