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Konjunktur bereitet Sorgen

Die schlechte Stimmung in der westdeutschen Wirtschaft belastet auch den Euro. Die Sorgen um das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa nehmen zu.

Reuters FRANKFURT. Der Ifo-Geschäftklimaindex für Westdeutschland ist im August zum dritten Mal in Folge leicht zurückgegangen. Das Münchener Institut nannte einen Indexwert für Westdeutschland von 99,0 nach 99,1 im Juli und 100,4 im Juni >>Tabelle und Grafik. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte, es sei aber noch zu früh um von einer Trendwende bei der Konjunktur zu sprechen. Der Rückgang gegen die Vormonate sei nicht signifikant. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle die Zinsen zunächst unverändert lassen. Volkswirte warnten ebenfalls davor, die Zahlen überzuinterpretieren. Möglicherweise sei der neuerliche Rückgang lediglich ölpreisbedingt. Der Euro reagierte dennoch mit Kursverlusten auf die Daten und markierte gegen den Dollar ein neues Allzeittief.

Analysten hatten statt des Rückgangs mit einem leichten Anstieg Ifo-Index auf 99,3 Punkte gerechnet. In den neuen Bundesländern stieg der Geschäftsklimaindex dagegen auf 105,7 nach revidiert 105,4 Punkten im Vormonat. Der Index der Geschäftsbeurteilungen stieg im Osten auf 123,8 (123,4) Punkte. Bei den Geschäftserwartungen wurde ein Zuwachs auf 88,7 (88,3) festgestellt.

Nach Einschätzung von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb zeigt der Index im August keinen signifikanten Rückgang gegen die beiden Vormonate. "Der Index hat sich mehr oder weniger auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert", sagte Nerb der Nachrichtenagentur Reuters. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle die Zinsen in der Euro-Zone zunächst auf dem derzeitigen Niveau belassen. "Hektische" Aktionen seien nicht notwendig.

Auch Volkswirte Frankfurter Banken warnten davor, den erneuten Rückgang des Index im Hinblick auf eine Abschwächung der Konjunktur überzubewerten. Harald Finger von Deutsche Bank Research in Frankfurt sagte, der Index sei im Moment schwer zu interpretieren. "Es ist der dritte Rückgang in Folge, obwohl unsere konjunkturellen Erwartungen weiterhin eher positiv sind." Ein möglicher Grund für den Rückgang sei im starken Anstieg des Ölpreises zu sehen. Dabei handele es sich aber um einen relativ kurzfristigen Einfluss. "Wenn sich der Ölpreis wieder stabilisiert - und erste Anzeichen dafür sind erkennbar - wird sich die positive Entwicklung durchsetzen. Deswegen erwarten wir für den September auch einen Anstieg beim Ifo-Index bis 99,5", sagte Finger.

Hans Günter Redeker von Chase Manhattan in London sagte dagegen, er sehe Anzeichen für eine konjunkturellen Rückgang in Westdeutschland: "Es sieht so aus, als ob die Wachstumszahlen für das vierte Quartal niedriger liegen werden, als die Zahlen die wir früher im Jahr gesehen haben."

Ifo-Chefvolkswirt Willi Leibfritz hatte im Gegensatz zu Nerb im August gewarnt, sollte sich der Ifo-Index ein drittes Mal schwächer zeigen, würde das auf eine Trendwende bei der westdeutschen Konjunktur hinweisen.

Der Euro, der am Mittwoch bereits im asiatischen Handel erneut auf Rekordttiefs zu Dollar und Yen gefallen war, rutschte nach Veröffentlichung der Ifo-Zahlen weiter ab und notierte im europäischen Geschäft zwischenzeitlich unter 0,8450 Dollar. Gegen die japanische Währung file der Euro bis auf 90,02 Yen gefallen war. Auch am Rentenmarkt gab es Kursverluste. Der richtungweisende Bund-Future, der kurz vor der Veröffentlichgun leicht im Plus gelegen hatte folgte dem Abwärtstrend des Euro und notierte mit zehn Ticks im Minus bei 104,49 Punkten.

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