Konjunktur dürfte sich zunächst nur schwach erholen
US-Börsianer setzen weiterhin auf Aktien

Die Zeiten, in denen Aktienanlagen jährlich 20 Prozent oder mehr Kursgewinn abwarfen, sind vorbei. Die großen Aktien-Indizes an der Wall Street haben 2001 erneut kräftig eingebüßt.

hus NEW YORK. Die Unternehmensgewinne brachen so stark ein wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Angesichts extrem niedriger Zinsen sind Aktien aber noch immer attraktiv, weil sie höhere Renditen versprechen als Anleihen.

Rendite von 6 bis 7 % erwartet

"Wir glauben noch immer an die Aktie", sagt Chefstratege David Blitzer vom Finanzinformationsdienst Standard & Poor?s, "doch aus anderen Gründen als 1980 oder 1990. Damals waren die Aktien billig, jetzt sind sie nur günstiger als Festverzinsliche." Kursverbesserungen und Dividendenzahlungen zusammengerechnet, erwartet Blitzer für Aktien 2002 eine Rendite von 6 bis 7 %. Zehnjährige Staatsanleihen werfen derzeit nur etwa 5 % ab. Außerdem bestehe bei Bonds die Gefahr, dass die Kurse fallen, sobald die derzeit niedrigen Zinsen wieder nach oben gehen. Auch Chefstratege Jim Paulsen von der Vermögensverwaltung Wells Capital Management tippt bei Aktien auf "Renditen im hohen einstelligen Bereich, weil bei Bonds die Zinsen noch niedriger sind".

Sein Kollege Tobias Levkovich von der Investmentbank Salomon Smith Barney schätzt sogar, dass der breit gestreute Standard & Poor?s 500 Index das Jahr 2002 bei rund 1 300 bis 1 350 Punkten beenden wird (plus 13 bis 15 %). Doch auch er warnt vor zu hohen Erwartungen. "Die erste Jahreshälfte dürfte noch ziemlich lahm verlaufen." Chefstratege Richard Bernstein von der Investmentbank Merrill Lynch rechnet allenfalls bei Qualitäts-Werten mit Kursverbesserungen. "Die teuren Werte schmieren ab, so dass sich die Märkte insgesamt wahrscheinlich seitwärts bewegen."

Stimmt die Regel, dass die Märkte nach extremen Ausschlägen wieder zur Mitte hin tendieren, dann müsste es 2002 wieder aufwärts gehen. Trotz der jüngsten Kursverbesserungen haben der Dow Jones Index der 30 wichtigsten Industriewerte 2001 insgesamt 5,25 %, der Standard & Poors 500 Index 10,5 % und der Nasdaq-Index fast 25 % verloren. Dagegen hatten von 1981 bis 2000 Aktien inflationsbereinigt durchschnittlich 12,1 % zugelegt.

US- Haushalte werden 2002 mehr Geld haben

Daneben sprechen ökonomische Gründe dafür, dass sich die Märkte wieder erholen. Die Zinssenkungen der Zentralbank kommen einer Finanzspritze von 40 Mrd. $ an private Haushalte gleich, schätzt Levkovich. "Der amerikanische Konsument wird im nächsten Jahr über die niedrigsten Hypothekenzinsen seit Jahrzehnten gerettet", glaubt auch Paulsen, der mit seinen Prognosen für 2001 der treffsicherste Ökonom des Jahres gewesen ist. Im neuen Jahr werde eine große Refinanzierungswelle dafür sorgen, dass die US-Haushalte mehr Geld in der Tasche hätten. Dazu kämen Steuersenkungen von ebenfalls rund 40 Mrd. $. Levkovich schätzt, dass außerdem der Ölpreisverfall dafür gesorgt habe, dass Konsumenten wieder mehr Geld in der Tasche haben. "Das macht pro Haushalt fast 1 000 Dollar aus."

Zu befürchten ist aber, dass die wirtschaftliche Erholung und die Kurssteigerungen an den Aktienmärkten eher schwach ausfallen. Angesichts ihrer Überkapazitäten hält sich die Industrie mit Investitionen zurück. Das dürfte vor allem die Quartalszahlen der Technologie-Firmen beeinträchtigen. Mäßig dürften die Kursverbesserungen auch deshalb ausfallen, weil Aktien im historischen Vergleich noch immer teuer sind. Laut David Blitzer von Standard & Poor?s beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P 500 Werte in 2001 fast 40. Der Grund: Die Unternehmensgewinne seien fast noch schneller gefallen, als die Kurse.

Für Anleger ist es deshalb ratsam, auf jene Werte zu setzten, die gegen Ende einer Rezession typischerweise die besten Kursgewinne versprechen. Dazu gehören kleinere und Nebenwerte sowie preisgünstige Qualitätsaktien mit niedrigerem Kurs-Gewinn-Verhältnis, etwa ausgewählte Finanzwerte oder Energieversorger. Für den Fall, dass die Erholung noch auf sich warten lässt, sollte ein Teil des Portfolios in defensiven Sparten wie dem medizinischen Sektor oder Konsumgütern des täglichen Gebrauchs investiert sein.

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