Konjunktur
Ein Lichtblick

Können 7 000 deutsche Unternehmer irren? Als das Münchener Ifo-Institut sie in diesem Monat zur Geschäftslage befragte, fielen die Antworten doch tatsächlich positiv aus - der viel beachtete Ifo-Index ist den zweiten Monat in Folge gestiegen. Nicht nur der Februar ist aus Sicht der Firmen gut gelaufen, die Unternehmer blicken auch den kommenden sechs Monaten mit mehr Hoffnung entgegen. Positive Nachrichten in Zeiten eines drohenden Irak-Kriegs? Zuversicht in Tagen steigender Ölpreise? Mehr Mut trotz des Fehlstarts der Bundesregierung? Das kann doch nicht sein. Oder etwa doch?

Nein, tönt es pessimistisch aus der Gemeinde der Banken-Volkswirte. Die Prognostiker europäischer Geldhäuser sind vom zweiten Anstieg des Ifo-Indexes in Folge überrascht und glauben nicht an eine Trendwende. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn dagegen sieht erste Zeichen für eine Besserung der Konjunktur.

Und in der Tat: Es gibt gute Gründe, sich nicht dem totalen Pessimismus der Banken-Ökonomen anzuschließen. Denn der Anstieg des Ifo-Indexes kommt nicht allein daher. In Belgien und Italien sind die Unternehmer ebenfalls wieder zuversichtlicher, wie aktuelle Indikatoren zeigen. Und auch rund 900 vom Psephos-Institut im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors befragte deutsche Top-Manager gaben im Februar zu Protokoll, dass sie den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder besser benoten.

Wem nun glauben? Den professionellen Konjunktur-Auguren einer in argen Schwierigkeiten steckenden Banken-Branche oder den Stimmen aus den Maschinenräumen der Volkswirtschaft, den Unternehmen? Während der drohende Irak-Krieg Banken-Volkswirte paralysiert, hat die Krise aus Sicht der meisten deutschen Führungskräfte erstaunlicherweise keine wirtschaftlichen Folgen für ihre eigenen Geschäfte. Während Ökonomen Deutschland bereits in einer "technischen Rezession" sehen und ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im vergangenen und im laufenden Quartal erwarten, haben deutsche Firmen im Februar gute Geschäfte gemacht. Die Ökonomen des Ifo-Instituts rechnen daher nicht mehr mit einer Rezession, zumal die Unternehmer in diesem Jahr wieder investieren wollen. Nachdem ihre Ausgaben für neue Maschinen und Anlagen 2002 sanken, stehen in diesem Jahr nun Ersatzinvestitionen an.

Keine Frage: Es steckt viel Psychologie und Spekulation in den aktuellen Prognosen. Vom Herdentrieb sind auch hoch gebildete Zahlenakrobaten nicht frei. Und derzeit ist immer noch Pessimismus en vogue. Es vergeht keine Woche, in der nicht irgendein Ökonom seine Wachstumsprognosen senkt. Umso wichtiger ist es, die ersten Zeichen für ein Ende der Angststarre nicht zu ignorieren - damit sich der Pessimismus nicht weiter selbst verstärkt. Der Ifo-Umfrage zufolge sind sogar die allzeit klagenden deutschen Einzelhändler zuversichtlicher geworden. Und tatsächlich fehlt es den Deutschen nicht an Geld: Die verfügbaren Einkommen sind im vergangenen Jahr gestiegen, und die Inflationsrate sinkt seit langem. Andererseits sparen die Deutschen mehr als früher - vor allem aus Angst vor Arbeitslosigkeit. Läge die deutsche Sparquote nicht bei zehn Prozent, sondern wie in den USA nur bei vier Prozent, bedürfte es keiner Konjunkturprogramme. Die Ifo-Zahlen signalisieren einen Lichtblick - mehr aber auch nicht. Die Regierung hat es nun in der Hand, die Wirtschaft mit Reformen auf Kurs zu bringen und zu halten.

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