Konjunktur in Euro-Zone
Dekabank: Deutschland als Bremsklotz

"Der große Bremsklotz für die Wirtschaft Europas ist derzeit Deutschland", sagte Deka-Chefvolkswirt Michael Hüther am Dienstag in Frankfurt. Der konjunkturelle Aufschwung in der Euro-Zone komme vor allem auf Grund hausgemachter Probleme nur sehr zögerlich voran.

Reuters FRANKFURT. Triebkraft für die Weltwirtschaft werde im kommenden Jahr trotz verschiedener Probleme die Volkswirtschaft der USA sein, auch wenn der Aufschwung dort ebenfalls verhalten ausfallen werde. Nach Einschätzung der Deka-Volkswirte wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag um 25 Basispunkte senken. Eine weitere Zinssenkung sei im Januar zu erwarten.

Belastend werde sich im kommenden Jahr auch die substanzielle Terrorbedrohung auswirken, sagte Hüther weiter. "Die Volkswirtschaften zahlen hierauf eine Terrorsteuer in Gestalt höherer Sicherheitsaufwendungen, eines tendenziell geringeren Potenzialwachstums und höherer Risikoprämien an den Kapitalmärkten."

Für die USA prognostiziert die DekaBank 2003 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 % und von 2,6 % im Jahr 2004. "Der US-Aufschwung wird sich fortsetzen", sagte Hüther. "Er fällt wegen der andauernden Investitionsbereinigung und den über aller wirtschaftlichen Aktivität liegenden Unsicherheiten moderater aus als frühere Aufschwünge."

Die Achillesferse des privaten Konsums in den USA bleibe der Arbeitsmarkt. Die relativ hohe Verschuldung der US-Konsumenten sei erst eine Belastung für die Konjunkturentwicklung, wenn die Zinssätze in den USA wieder ansteigen.

Deutlich schwächer fallen die Prognosen der Deka-Volkswirte für Deutschland und die Euro-Zone aus: "Mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von von 0,3 % in diesem und 0,7 % im kommenden Jahr bleibt das Wachstum zum dritten Mal in Folge hinter dem Durchschnitt der ohnehin schon als wachstumsschwach geltenden neunziger Jahre zurück", teilte Hüther im Hinblick auf die erwartete Entwicklung in Deutschland mit. Für die Euro-Zone erwarte die Bank ein Wachstum von 1,5 respektive 2,3 %.

Auch 2003 werde der deutschen Wirtschaft voraussichtlich die mangelnde Binnendynamik zum Verhängnis werden, prognostizierte Hüther. Dafür trage die Wirtschaftspolitik die wesentliche Verantwortung. Zum einen seien ihr wegen der ungenügenden Haushaltskonsolidierung die Hände gebunden. "Überdies rächt sich in zunehmendem Maße die Furcht der Politik vor weit reichenden Reformen in den sozialen Sicherungssystemen und auf dem Arbeitsmarkt", sagte Hüther weiter. Stattdessen würden mit einer Ad-hoc-Politik die Einnahmen der sozialen Sicherungssysteme erhöht, um Löcher zu stopfen. Dies führe zu Mehrbelastungen der Haushalte und Unternehmen, die sich im kommenden Jahr dämpfend auf die Konsum- und Investitionsentwicklung auswirken würden.

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