Konjunktur in leichte Erholung eingemündet
Bundesbank: Investitionen 2001 eingebrochen

Das schwache Wachstum im vergangenen Jahr war der Deutschen Bundesbank zufolge von einem drastischen Einbruch der Investitionen und sinkender Ersparnis in der gesamten Wirtschaft begleitet.

Reuters FRANKFURT. In diesem Jahr sei die Konjunktur in eine leichte Erholung eingemündet, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht für Juni.

Investitionsrückgang "Auf breiter Front"

Die Nettoinvestitionen in Sachanlagen hätten sich 2001 auf 100 Milliarden Euro und damit nur auf knapp sechs Prozent des gesamtwirtschaftlich verfügbaren Einkommens belaufen. Damit sei der niedrigste Werst seit 1991 erreicht worden.

"Der scharfe Rückgang konzentrierte sich nicht auf einen bestimmten Sektor, sondern vollzog sich auf breiter Front. So seien die Investitionen nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei Privathaushalten und Staat gesunken. Während dies bei Unternehmen auch in den vorangegangenen Abschwungphasen üblich gewesen sei, hätten die Privathaushalte diesmal so wenig investiert wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr - vor allem der Wohnungsbau habe nachgelassen. Die privaten Haushalte investierten mit 38 Milliarden Euro ein Fünftel, der Staat mit 2,2 Milliarden Euro zwei Fünftel weniger als im Jahr 2000.

Ersparnis auf niedrigstem Stand seit zehn Jahren

Auch die gesamtwirtschaftliche Ersparnis erreichte mit 110 Milliarden oder 6,5 Prozent der verfügbaren Einkommen den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Dafür sei vor allem der Staat verantwortlich gewesen, bei dem sich das Minus im Sparhaushalt auf 55 Milliarden Euro mehr als verdoppelte. Dies sei die Folge hoher Einnahmeausfälle wegen der Steuerreform und zum Teil der schwachen Konjunktur gewesen, hieß es im Monatsbericht. Die Privathaushalte dagegen erhöhten ihre Ersparnis um gut neun auf 158 Milliarden Euro. Die deutsche Wirtschaft war 2001 nur noch um 0,6 Prozent gewachsen, nachdem sie im Vorjahr mit 3,0 Prozent noch die höchste Rate seit der Wiedervereinigung 1990 erreicht hatte.

Konjunkturflaute hinterliess Spuren bei Unternehmen

Bei den Unternehmen hinterließen die weltweite Konjunkturflaute und schwache Aktienmärkte 2001 tiefe Spuren nicht nur bei der Sach-, auch bei der Geldvermögensbildung. Nach dem kräftigen Wachstum der Unternehmen in den Börsenboom-Jahren 1998 bis 2000 sei der Rückgang im vergangenen Jahr jedoch als eine Normalisierung zu betrachten. Der Beteiligungserwerb deutscher Unternehmen sowie die Kreditvergabe an das Ausland, für weltweit tätige Unternehmen typische Aktivitäten, hätten geradezu einen Einbruch erlebt.

Die Privathaushalte verzeichneten zwar einen Rückgang bei der Sachvermögensbildung, doch das Geldvermögen expandierte leicht, wenn auch schwächer als im Durchschnitt der 90er Jahre. Wegen des Kursverfalls an den Aktienmärkten kehrte sich der Trend der vergangenen Jahren bei den Anlageformen um. So seien traditionelle Spareinlagen und Termingelder aufgestockt worden, während risikobehaftete Engagements in Wertpapieren an Attraktivität verloren hätten. Der Absatz an Aktienfonds erreichte nur noch ein Achtel des Vorjahreswertes. Drastischer war die Änderung beim direkten Aktienerwerb. Einem Erwerb von Firmenanteilen für 30 Milliarden Euro im Jahr 2000 stand ein Nettoverkauf in fast gleichem Umfang 2001 gegenüber. "Eine solch ausgeprägte Neigung, Aktien per saldo wieder abzustoßen, gab es bislang nicht", hieß es im Monatsbericht.

"Leichte Erholung" im ersten Quartal

Für das erste Quartal dieses Jahres zieht die Bundesbank eine verhaltene Bilanz. "Die Aufwärtsbewegung im ersten Jahresviertel war nicht breit fundiert". Das Bruttoinlandsprodukt war im ersten Quartal bereinigt um 0,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen, lag nach arbeitstäglicher Rechnung aber 0,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Positive Impulse seien nur von den Exporten ausgegangen, während die Inlandsnachfrage nach wie vor zur Schwäche geneigt habe. Auch der Arbeitsmarkt habe im Frühjahr noch im Zeichen der Konjunkturflaute gestanden. Allenfalls der Rückgang der Kurzarbeit im Mai um 45 000 auf 200 000 sei ein erstes, wenn auch schwaches Anzeichen einer allmählichen Besserung, da die Betriebe offenbar zur Vollzeitarbeit zurückkehrten.

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