Konjunktur-Unsicherheit macht Anleger skeptisch
Analysten setzen auf defensive Chemieaktien

Es scheint widersprüchlich: Fast alle Chemiekonzerne spüren Besserung in den Auftragsbüchern, doch Analysten stufen die Aktien mit Vorsicht ein. Weil ein nachhaltiger Aufschwung noch nicht erkennbar ist, bevorzugen Experten vorerst konjunkturrobuste Werte. Zugleich setzen sie auf die US-Chemie.

HB - DÜSSELDORF. Als BASF-Chef Jürgen Strube bei der Hauptversamlung von Europas größtem Chemiekonzern Frühlingsstimmung verbreitete, ließ sich die Börse umgehend anstecken: Um bis zu 4 % gewann die BASF-Aktie in der vorigen Woche, nachdem Strube vom derzeitigen "Frühling in den Auftragsbüchern" sprach, und sie zog zugleich die Titel mancher Konkurrenten mit nach oben.

BASF hat im ersten Quartal in vielen Segmenten mehr verdient als von den Experten erwartet, und schon wächst am Finanzmarkt die Hoffnung, dass aus dem Konjunkturschub ein nachhaltiger Aufschwung wird. Schließlich steht BASF mit der positiven Konjunktureinschätzung nicht allein: fast alle europäischen Chemiehersteller spüren seit März Besserung.

Dennoch wollen sich Analysten der Euphorie noch nicht anschließen. Sie bewerten Chemieaktien weiter mit Vorsicht. Banken wie die Credit Suisse First Boston (CSFB) oder Julius Bär stufen den Sektor auf Neutral, erwarten also, dass er sich nicht besser als der Gesamtmarkt entwickeln wird. Das liegt zum einen daran, dass Anleger den möglichen Aufschwung bereits vorweggenommen und die Chemieaktien auf ein hohes Niveau gehandelt haben: Die Chemie gehörte im ersten Quartal zu den Sektoren mit den höchsten Kurszuwächsen.

Zum anderen steht die konjunkturelle Erholung in der Chemie auf wackligen Füßen: "Ein nachhaltiger Aufschwung ist noch nicht in Sicht", sagt Analyst Michael Vara von der Commerzbank. "Die Chemiefirmen profitieren derzeit überwiegend davon, dass Kunde ihre Läger auffüllen." Das dürfte nach Einschätzung von Andreas Heine von der Hypo-Vereinsbank auch noch im zweiten Quartal der Fall sein. Die entscheidende Frage - auch für die Bewertung der Aktien - ist daher, ob die Erholung wie erhofft ab dem dritten Quartal in einen anhaltenden Aufschwung mündet.

Wer vorsichtig ist, dem empfehlen Analysten Chemiefirmen mit weitgehend robustem Geschäft. Dazu zählt etwa die Schweizer Givaudan SA, die Riechstoffe für Parfüms und Geschmacksstoffe für Nahrungsmittel herstellt. Die Aktie sei ein guter Wert in volatilen, also schwankungsreichen, Zeiten, sagt Patrick Lambert vom Schweizer Bankhaus Pictet. Der Givaudan-Kurs ist bereits stark gestiegen, dennoch empfiehlt die Mehrzahl der Analysten den Wert noch zum Kauf. Lambert gibt ein Kursziel von 640 sfr auf Zwölf-Monats-Sicht vor. Ähnlich hoch in der Gunst der Analysten steht die niederländische DSM N.V., die sich durch die Trennung vom Petrochemiegeschäft zum spezialisierten Feinchemiezulieferer der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie mausert. Auch hier gilt: Die Aktie ist mit knapp 50 Euro hoch bewertet, doch sehen etwa die Analysten von Schroders Salomon Smith Barney (Kursziel 55 Euro) und die UBS Warburg (Kursziel 60 Euro) noch Luft nach oben. Commzerbank-Analyst Vara warnt aber davor, dass im Zuge der angekündigten Expansionsstrategie DSM möglicherweise überteuert zukauft. Das würde sich denkbar schlecht auf die Aktie auswirken.

Wer auf den baldigen Aufschwung setzt, sollte sich aus Sicht von Analysten derzeit auf US-Chemiewerte konzentrieren. CSFB-Analyst William Young bewertet die US-Marktführer Dow Chemical und Dupont mit "strong buy".

Die Deutsche Bank nahm die Celanese AG mit einer Kaufempfehlung in ihre Midcap-Focus-List auf - trotz der bereits erzielten Kurszuwächse. Das Unternehmen hat zwar den Sitz in Deutschland, macht aber weit mehr als die Hälfte des Umsatzes in den Vereinigten Staaten.

Wenn der durchgreifende Nachfrageschub kommt, wird auch die BASF AG früh und deutlich davon profitieren. Bei den Chemieanalysten weichen die Empfehlungen für BASF aber stark voneinander ab: Die CSFB etwa sieht die Aktie nach dem letzten Kurzuwachs bei einem Kurs von rund 47 Euro bereits als hoch bewertet an.

Auch bei Bayer sind die Einschätzungen gemischt: Mittelfristig verspricht die beginnende Neuausrichtung Kurszuwächse. Vorerst aber belasten der Konzernumbau und Integrationskosten den Gewinn des Konzerns.

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