Konjunkturaufschwung wird gedämpft
ifo: 25 Mrd. DM Mehrbelastung durch teurere Ölrechnung

dpa MÜNCHEN. Die deutsche Wirtschaft muss nach Schätzung des ifo Instituts durch die drastisch gestiegenen Ölpreise in diesem Jahr 25 Mrd. DM Mehrbelastungen im Vergleich zum Vorjahr tragen. Die starke Verteuerung der Ölrechnung werde den Konjunkturaufschwung dämpfen. Die Gefahr einer Ölkrise, vergleichbar mit der Entwicklung Mitte der siebziger und Anfang der achtziger Jahre, sehen die Münchner Wirtschaftsforscher aber nicht.

Mitte September war der Rohölpreis in der Spitze bis auf über 35 $ je Barrel gestiegen, der höchste Stand seit der Kuwait-Krise vor zehn Jahren. Inzwischen ist er wieder etwas gesunken. Das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung geht in seiner am Wochenende vorgelegten Studie davon aus, dass sich der Rohölpreis im zweiten Halbjahr durchschnittlich bei gut 30 $ einpendeln wird. Nach Abzug der Ausfuhren an Rohöl und Mineralölprodukten würden sich die Nettoausgaben der deutschen Ölrechnung 2000 auf etwa 53 Mrd. DM summieren.

Im laufenden Jahr wären auf dieser Basis netto 1,3 % der gesamtwirtschaftlichen Leistung für Rohöl und Mineralölprodukte aufzuwenden, 0,6 %punkte mehr als im Vorjahr. Damit bleiben die Auswirkungen des Ölpreisanstiegs für Deutschland laut der ifo-Prognose aber "immer noch weit hinter den Dimensionen der beiden früheren Ölkrisen zurück." Im Vergleich zu den ersten beiden Ölpreiskrisen betrage die Belastung der deutschen Wirtschaft deshalb nur ein Drittel.

Leichte Dämpfung der Binnenkonjunktur

Mit einer leichten Dämpfung der Binnenkonjunktur müsse dennoch gerechnet werden, sofern die Rohölpreise von jetzt an nicht noch weiter rasch fallen würden. Auch könnte die Exportdynamik Schaden leiden, da auch alle nicht Öl produzierenden Industrie- und Schwellenländer durch die höheren Ölpreise belastet werden.

Für die weitere Wirtschaftsentwicklung im Inland sei es entscheidend, dass nicht versucht werde, hohe Lohnforderungen mit dem Argument durchzusetzen, die stark gestiegenen Benzinpreise hätten das Leben dramatisch verteuert. Die in den vergangenen Wochen in Deutschland abgeschlossenen Tarifvereinbarungen beispielsweise in der Textilindustrie und beim Volkswagenwerk blieben aber im Rahmen der bisherigen Abschlüsse. Zudem dürften die monatlichen Steigerungsraten der Lebenshaltungskosten im Vergleich zum Vorjahr mit 2,5 % wie im September das Maximum erreicht haben.

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