Konjunkturbericht
Bankenverband sieht Pause bei EZB-Leitzinserhöhungen

Bis zum Herbst seien erst einmal keine weiteren Zinsschritte zu erwarten, schreibt der Verband in seinem jüngsten Konjunkturbericht.

Reuters BERLIN. Die jüngste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) den Aufschwung in der Euro-Zone kaum beeinträchtigen. Bis zum Herbst hinein sei nun erst einmal mit einer Pause in Hinblick auf weitere Zinsschritte zu rechnen, schreibt der Verband in seinem jüngsten am Donnerstag vorgelegten Konjunkturbericht. Angesichts der guten Konjunktur im Euro-Raum bei Anzeichen einer leichten Abkühlung in den USA beobachtet der BdB ein Abflauen der bisherigen Euro-Skepsis an den Devisenmärkten, das gar eine Trendumkehr bei der Euro-Bewertung markieren könnte. Die EZB warnte der Verband, die Geldmengenentwicklung zu sehr in den Vordergrund zu rücken.

"Für die konjunkturelle Erholung im Euro-Raum stellt die Zinsstraffung keine Gefahr dar", formulierte der Verband in seinem jüngsten Konjunkturbericht. Die Liquiditätsversorgung biete unveränderte ausreichende Spielräume für das weiter anziehende Wirtschaftswachstum. Die Zinserhöhung zu Beginn des Monats interpretiert der Verband als einen vor allem von der expansiven Geldmengenentwicklung veranlaßten Schritt, mit dem die EZB klar machen wollte, dass sie aufkeimende Inflationsängste schon im Vorfeld bekämpfen werde. Die EZB hatte auf ihrer vorvergangenen Ratssitzung am 8. Juni die Leitzinsen in der Euro-Zone deutlich um 50 Basispunkte erhöht und zugleich bei ihren Hauptrefinanzierungsgeschäften einen Wechsel vom Mengen- zum Zinstender mit einem Mindestbietungssatz von 4,25 % angekündigt. Bei ihrer letzten Ratssitzung am 21. Juni hatte die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen.

Die flachere Zinsstruktur im Euro-Raum habe bei den Anlegern dem Verband zufolge zu einer stärkeren Vorliebe für kürzere Anlage-Laufzeiten ausgelöst. Dies beeinträchtige naturgemäß die Aussagekraft der Geldmengenentwicklung, die daher in den nächsten Monaten deutlich über den EZB-Zielen bleiben könnte. "Die EZB sollte nachdrücklich darauf hinweisen, dass aus der Entwicklung der Geldmenge M 3 kein geldpolitischer Automatismus abgeleitet werden kann", forderte der Verband angesichts dieser Entwicklung. Sonst drohe, dass die Märkte wegen der Geldmengenzahlen wieder über Zinserhöhungen spekulierten.

Das konjunkturelle Bild in Deutschland hat dem Verband zufolge "deutlich an Farbe gewonnen". Die jüngste Belebung bei den Ausrüstungsinvestitionen signalisiere offenbar, das der konjunkturelle Aufschwung in seine zweite Phase getreten sei und die Investitionskonjunktur anspringe. Zwar entwickle sich der private Konsum noch "überraschend schwach", doch insgesamt liege die aktuelle Entwicklung auf einer Linie, die für das gesamte Jahr 2000 ein reales Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent erwarten lasse, heißt es in der BdB-Analyse weiter.

Die Pläne der Bundesregierung zur Rentenreform beurteilt der Verband differenziert. Neben erfreulichen Ansätzen hätten sie auch "Schattenseiten", so etwa, dass der Beitragssatz nicht dauerhaft unter der Markt von 20 % gehalten werden solle. Um dies zu schaffen, dürfe eine längere Lebensarbeitszeit kein Tabu sein, forderte der BdB. Für die künftige Besteuerung der Renten erachtet der Verband den Einstieg in die nachgelagerte Besteuerung für erforderlich.

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