Konjunkturdaten: DIHK, HWWA und ZEW
Deutschland schleppt sich mühsam aus Rezession

Die deutsche Wirtschaft dürfte sich nach Einschätzung von Unternehmen und Volkswirten nur langsam aus der Rezession befreien und kraftlos bleiben.

Reuters BERLIN. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) beurteilten die befragten Unternehmen ihre Geschäftsaussichten so pessimistisch wie seit der Rezession vor zehn Jahren nicht mehr. Sorgen bereitet den Firmen vor allem der hohe Euro-Kurs und die Weltkonjunktur. Nach einer Stagnation in diesem Jahr kann nach Expertise des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) auch 2004 nur mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent gerechnet werden. Die Hoffnungen der Finanzmärkte richten sich dabei vor allem auf die historisch niedrigen Leitzinsen in der Euro-Zone.

DIHK sieht Wachstumsaussichten eingetrübt

Die Konjunktur quält sich im Seitwärtsgang", zog DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben als Fazit aus der Umfrage unter 21.000 Unternehmen. Nur 17 Prozent der Befragten rechneten mit besseren Geschäften als im Vorjahr. Hingegen habe der Anteil der skeptischen Stimmen 42 Prozent erreicht. Der DIHK hatte im Februar seine BIP-Prognose für dieses Jahr auf Stagnation gesenkt: "Wir sagen heute, es bleibt eine Null, aber die wechselt ihre Farbe von schwarz auf rot", sagte Wansleben. Für 2004 wagte er keine Prognose: "Wir wissen wirklich nicht, was im nächsten Jahr kommt. Das steht komplett in den Sternen." Im Frühsommer hätten sich die Sorgen vermehrt, dass der Export wegen der enttäuschenden Weltkonjunktur sowie des raschen Euro-Anstiegs abbröckeln werde, sagte Wansleben. Seit Jahresbeginn hätten die Unternehmen die Hoffnung auf wachsende Exporte drastisch reduziert. Der Euro hat seit Januar zum Dollar um rund 15 Prozent aufgewertet. Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, äußerte sich skeptisch über die Ausfuhrchancen. Der starke Euro könne den Wachstumsmotor Export "ins Stottern bringen". Für das Wachstum in diesem Jahr erwartet er nur noch ein leichtes Plus.

HWWA: Externe Schocks bremsten Wachstum in diesem Jahr

Als Gründe für die stockende wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und in der Welt nannten die HWWA-Forscher neben der Euro-Aufwertung auch den Irak-Krieg und den damit verbundenen Ölpreis-Anstieg, den Kursverfall an den Aktienmärkten sowie die anhaltenden Folgen der Anschläge vom 11. September 2001. Im ersten Halbjahr 2003 dürfte Deutschland sogar in einer leichten Rezession gesteckt haben. Die Zahl der Arbeitslosen werde im laufenden Jahr im Durchschnitt voraussichtlich bei 4,45 Millionen liegen und 2004 auf 4,52 Millionen steigen.

Die Chancen für eine allmähliche Belebung der Konjunktur in der Jahreshälfte seien aber weiter gegeben, erklärte das HWWA: "Hoffnung macht das Nachlassen der geopolitischen Spannungen sowie die Stabilisierung der Aktienkurse." Überdies sei zu erwarten, dass die Konjunktur in den USA anziehe und damit auch die Weltkonjunktur insgesamt an Fahrt gewinnen werde.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard sagte, die Prognose der Bundesregierung für dieses Jahr von 0,75 Prozent sei nicht mehr zu erreichen: "Wir gehen davon aus, dass die Zuwachsrate so um die 0,3 Prozent liegen wird." Einen Besorgnis erregenden Euro-Kurs von 1,30 oder 1,40 Dollar sehe er derzeit nicht. Am Dienstag notierte der Euro bei Kursen knapp unter 1,18 Dollar.

Finanzmärkte setzen auf historisch niedrige Leitzinsen

Einen positiven Impuls erwarten Finanzmarktexperten in Deutschland vor allem von der Absenkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank Anfang Juni auf zwei Prozent. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte ZEW-Konjunkturindikator stieg im Juni auf 21,3 von 18,7 Punkten im Mai. Die Zinssenkung habe die Konjunkturerwartungen der knapp 300 befragten Finanzanalysten entscheidend beeinflusst, erklärte das ZEW. So habe bei den Antworten, die vor der Zinsentscheidung eingegangen seien, der Indikatorwert bei 5,2 Punkten gelegen, bei den Antworten danach aber bei 31,7 Punkten.

Einige Analysten warnten jedoch vor Euphorie. Die direkten Auswirkungen billigerer Kredite auf die Konjunktur würden frühestens 2004 spürbar, sagte DZ-Bank-Analyst Bernd Weidensteiner. Ulrike Kastens von der Bank Sal. Oppenheim sagte, zwar sei richtig, dass nach der Zinssenkung die Kreditnachfrage wieder anziehen werde. Der Wert des ZEW-Indikators sei aber immer noch sehr niedrig.

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