Konjunkturdaten führen Schattendasein
Dax-Ausblick: Märkte bleiben kriegsbestimmt

Auch in der kommenden Woche wird der Krieg im Irak den deutschen Aktienmarkt in Atem halten. "Wir haben weiter eine Kriegsbörse", lautet der Kommentar eines Händlers, wobei sich die Grundtendenz für die Marktentwicklung aber zunehmend positiv entwickele. In den vergangenen Tagen habe die zuletzt eher skeptische Grundhaltung zum Verlauf des Irak-Kriegs vorsichtigem Optimismus Platz gemacht. Die Mehrzahl der Händler neigt nun doch zu der Annahme, dass der Krieg in wenigen Wochen beendet sein wird.

vwd/rtr FRANKFURT. Getragen wird diese Stimmung von den jüngsten Erfolgsmeldungen der Alliierten. So schürten die schnelle Einnahme des Flughafens von Bagdad und die Kapitulation von Teilen der Republikanischen Garde die Hoffnung, dass die Eroberung der Hauptstadt doch schneller und vor allem mit weniger Opfern als befürchtet von Statten gehen könnte. Dennoch gehen Teilnehmer weiter von einem sehr volatilen Verlauf aus. Denn negative Entwicklungen im Irak würden sich sofort in möglicherweise sehr deutlichen Kurskorrekturen widerspiegeln.

Eine entsprechend breite Handelsspanne zwischen 2 400 und 3 000 Punkten erwarten die Marktteilnehmer daher beim Dax. Sehr volatil und im Takt der Kriegsentwicklung dürften sich zudem der Ölpreis und das Verhältnis US-Dollar zum Euro zeigen.

Konjunkturdaten führen Schattendasein

Die zuletzt insgesamt sehr schwachen Konjunkturdaten wurden angesichts der Dominanz des Themas Irak weitgehend ignoriert. Daran sollte sich auch in der kommenden Berichtswoche nichts ändern. Allerdings dürfte die weltweit zu konstatierende fundamentale Wirtschaftsschwäche spätestens nach Beendigung des Irakfeldzuges wieder verstärkt an Gewicht gewinnen. Möglicherweise könne die damit verbundene Aufbruchsstimmung den Markt für kurze Zeit stützen. Werde diese aber nicht sehr schnell durch entsprechende Konjunktur- und Unternehmensdaten gestützt, dürften die Gewinne langsam aber sicher wieder abbröckeln.

Größere Bedeutung zumindest für Einzeltitel könnte die beginnende Berichtssaison in den USA haben. Wie das Beispiel SAP zeige, reagiere der Markt durchaus auf Unternehmensdaten, wie in diesem Fall die Gewinnwarnung des Wettbewerbers Peoplesoft. Der Verlauf der Berichtssaison sei nur schwer zu prognostizieren. Wenn auch die Mehrzahl der Unternehmen die Erwartungen erfüllen sollte, sei dennoch von einigen negativen Überraschungen auszugehen, heißt es im Handel. Überragende Bedeutung dürfte einmal mehr den veröffentlichten Ausblicken zukommen.

Charttechnik bestätigt Aufwärtsbewegung im Dax

Bisher wird die zuletzt eingeleitete Aufwärtsbewegung auch charttechnisch bestätigt. Mit dem Überwinden der Zone von 2 600 bis 2 615 Punkten rückt das letzte Korrekturhoch bei 2 731 Zählern in den Fokus. Eine endgültige Bestätigung des Aufwärtstrends würde mit dem Überschreiten der Abwärtstrendlinie bei 2 760 Stellen eintreten. Dann rückt nach Einschätzung von Charttechnikern nach dem Widerstand bei 2 802 die 3 000er-Marke als Zielmarke in den Fokus. Sollte der Index allerdings deutlicher unter 2 563 Stellen rutschen, sei zunächst ein Test der Marke um 2 519 Punkte möglich.

Ein Unterschreiten dieser Marke sollte zur Vorsicht mahnen. Die Hauptunterstützungzone, die nicht unterschritten werden sollte, verlaufe bei 2 433 bis 2 396 Stellen - andernfalls drohe ein Rückfall bis auf 2 188 Zähler.

Termine in der kommenden Börsenwoche

An wichtigen Terminen stehen am Dienstag die Bilanzpressekonferenz von Stada , das Jahresergebnis von Wella und die US-Lagerbestände und Umsätze im Großhandel für Februar auf der Agenda. Am Mittwoch findet die Hauptversammlung von Daimler-Chrysler statt, zudem werden die Verkehrszahlen der Lufthansa für den Monat März veröffentlicht. Am Freitag folgen die US-Erzeugerpreise für März und die Zahlen von General Electric für das erste Quartal 2003.

Experten erwarten Rekordergebnis bei Conti

Der Automobilzulieferer Continental , der am Dienstag seine Geschäftszahlen für 2002 vorlegt, hat nach Einschätzung von Analysten sein bisheriges Rekordergebnis wie angekündigt übertroffen. Beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) rechnen von Reuters befragte Experten im Schnitt mit 663 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte zuvor bereits in Aussicht gestellt, die bisherige Rekordmarke von 607 Millionen Euro zu übertreffen. Auch unter dem Strich erwarten die Analysten, dass Continental bereits ein Jahr nach dem Nettoverlust von 258 Millionen Euro wieder eine dreistellig schwarze Zahl (179 Millionen Euro) geschrieben hat.

Bei Wella dürften die Geschäftszahlen auf der vermutlich letzten Bilanzpressekonferenz am Dienstag angesichts der Übernahmeofferte des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) nur bedingt im Mittelpunkt stehen. Interessanter dürfte indes die Haltung des Wella-Vorstands sein, der sich nach dem Kauf großer Wella-Anteile durch P&G von den Familienaktionären bereits enttäuscht gezeigt hatte.

Hannover Messe leidet unter Kriegsfolgen

Die am Montag beginnende jährliche Leistungsschau der deutschen Industrie auf der Hannover Messe steht ganz im Zeichen des Irakkrieges und der Konjunkturschwäche in Deutschland. Die Zahl der Aussteller ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. "Direkte Impulse für den Aktienmarkt erwarte ich angesichts des alles überlagernden Irakkrieges nicht", sagte ein Händler. Sollte dieses Thema aber seine dominierende Stellung verlieren, könne die Konjunktur wieder in den Blickpunkt rücken, fügte er hinzu. Schallenberger sagte mit Blick auf den Irak-Krieg: "Die Leute vergessen darüber gerade, dass die Konjunktur in den USA und Europa doch ziemlich krankt."

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