Konjunkturdaten schlagen durch
Renten: Kurse steigen - Renditen auf Tiefstständen

Kursverluste der Aktien und überraschend schwache US-Konjunkturdaten haben die europäischen Staatsanleihen weiter in die Höhe getrieben. Bereits am Vormittag hatten die zunehmenden Verluste am Aktienmarkt bei den Renten nach einer richtungslosen Eröffnung für Gewinne gesorgt.

rtr FRANKFURT. Als am Nachmittag die Zahl der Arbeitslosenanträge in den USA überraschend hoch ausfiel und damit Hoffnungen auf einen Wirtschaftsaufschwung eintrübte, machten die Anleihe-Kurse einen weiteren Satz nach oben. Allerdings konnten sich die Papiere nicht auf ihren Höchstständen halten, weil die Aktienmärkte wieder etwas an Boden gut machten.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future notierte gegen 16.55 Uhr MESZ noch 13 Ticks höher mit 110,80 Punkten, nachdem das Papier zeitweise bis auf 111,04 Zähler gestiegen war. Damit lag der Kontrakt wieder unter einem Widerstand, den Analysten um 110,90 Zählern ausgemacht hatten. Die zehnjährige Bundesanleihe notierte zwölf Basispunkte fester bei 103,40 Prozent und rentierte auf diesem Niveau mit 4,561 Prozent. Die deutschen und europäischen Aktien hatten bis zum späten Nachmittag gut 1,5 Prozent nachgegeben, nachdem das Minus zwischenzeitlich bis zu drei Prozent betragen hatte.

"Die Arbeitslosenanträge waren eindeutig ein Antrieb für die Bonds der Euro-Zone", sagte ein Händler. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA stieg auf 403.000 von revidiert 395.000 in der Vorwoche - Analysten hatten mit einem Rückgang auf 387.000 Erstanträge gerechnet. In Folge dieses ungünstigen Zeichens für die wirtschaftliche Lage in den USA eröffneten auch die US-Aktienmärkte zunächst gut ein Prozent unter Vortagesschluss, während die US-Treasuries wie schon am Vortag Gewinne verbuchten.

In Europa fielen die Renditen vieler Anleihen auf den tiefsten Stand seit rund zwei Wochen, nachdem bereits am Mittwoch der schwächer als erwartet ausgefallene Ifo-Index für eine Rally am Rentenmarkt gesorgt hatte. Auch die andauernde Diskussion über einen Krieg im Irak machten Analysten für die Kursanstiege mitverantwortlich. "Die steigende Wahrscheinlichkeit eines Angriffs gegen den Irak betont die Rolle der Renten als sicherer Anlagehafen", sagte Peter Fertig von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Einige Analysten sahen den Weg für weitere Kursanstiege bei den Anleihen geebnet, da einiges für eine Fortsetzung der Talfahrt an den Aktienmärkten spreche. Andere zeigten sich skeptisch über das Kurspotenzial der Festverzinslichen. Die Analysten der Bankgesellschaft schrieben in einem Marktkommentar: "Das derzeitige Renditeniveau spiegelt deutlich schlechtere Konjunkturerwartung wider, als wir aus den Wirtschaftsdaten ableiten können." Gespannt warten die Marktteilnehmer nun auf die US-Stimmungsindikatoren am Freitag. Die Bankgesellschaft Berlin vermutet, dass die Zinsfutures im Vorfeld von einer vorsichtigen Positionierung der Anleger profitieren könnten. Sollten die Daten den Konjunkturpessimismus verstärken, wird sich dies am Rentenmarkt wohl mit steigenden Kursen bemerkbar machen.

Der Bobl-Future notierte 15 Ticks höher bei 108,45 Zählern und der Schatz-Future gewann sieben Ticks auf 104,32 Punkte. Die börsennotierten öffentlichen Anleihen verzeichneten im Kassa-Vergleich überwiegend Gewinne. 69 Papiere gewannen bis zu 0,99 Prozentpunkte, neun Anleihen gaben bis zu 0,035 Prozentpunkte nach. Die Umlaufrendite sank auf 4,37 (4,44) Prozent. Die Bundesbank verkaufte zum Marktausgleich Anleihen im Wert von 32,6 (Verkäufe am Mittwoch: 90,1) Millionen Euro. Der Rex-Rentenindex stieg um 0,28 Prozent auf 115,0038 Zähler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%